In der Nähe des kurdischen Gemeindezentrums, in dem in Paris drei Menschen ermordet und weitere verletzt wurden, sprengte die französische Polizei einen Behälter. Nach Medienberichten habe es sich dabei um Geheimdiensttechnik gehandelt.

Das kurdische Kulturzentrum „Ahmet Kaya” in Paris wurde am 23. Dezember 2022 von einem Attentäter angegriffen. Bei den Ermordeten handelte es sich um Evîn Goyî, ein Exekutivratsmitglied der KCK (Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans), der bekannte Musiker Mîr Perwer; und der Aktivist Abdurrahman Kızıl.

Eine Straße vom Ort des Anschlags entfernt entdeckte die Polizei am Freitagabend ein Fahrzeug, in dem sich mutmaßlich Geheimdiensttechnik befand. Es wurde jedoch nach offiziellen Angaben von einer Bombe ausgegangen und das Fahrzeug nicht weitergehend untersucht, bevor es gesprengt wurde.

Auf Bildern, die ein Journalist auf Twitter veröffentlichte, ist das Innere des Fahrzeugs zu sehen. Es handele sich um eine mit einem WLAN-Router ausgestattete Vorrichtung. Es könne sich dabei um einen IMSI-Catcher handeln, mit dem Mobiltelefonverkehr und WLAN in der Umgebung abgefangen werden können. Die Vermutung, dass es sich um Geheimdienstausrüstung handele, liegt deshalb für viele kritische Beobachter:innen nahe.

Nachdem die Sprengung durchgeführt wurde, stellte die Polizei ebenfalls fest, dass es sich nicht um eine Bombe gehandelt habe. Laut der Zeitung Le Parisien wurde im Nachhinein der Geheimdienst eingeschaltet.

Nach Anschlägen: Kurdische Organisationen planen europaweite Gedenkdemonstration in Paris

Die Sprengung des Fahrzeugs mitsamt der Technik ohne Untersuchungen erweckt den Anschein von Vertuschung und Beweismittelvernichtung im Zusammenhang mit dem Anschlag vom 23. Dezember. Kurdische Organisationen vermuten, dass der türkische Geheimdienst MIT dahinter stecken könnte, wie schon vor knapp zehn Jahren. Damals wurden im Januar 2013 drei kurdische Frauen vom MIT in Paris ermordet.


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