Rheinmetall-Chef Armin Papperger fordert mehr Tempo bei der Aufrüstung. Sein Konzern stehe in den Startlöchern und suche den Schulterschluss mit der Politik. Dabei bringt der Krieg dem Unternehmen vor allem dicke Gewinne. Ein Kommentar von Julius Strupp

Derzeit entfaltet sich in der Ampel-Koalition ein Streit um die Lieferung deutscher Leopard-Panzer in die Ukraine. Während Russland vor den Folgen einer solchen warnt, versucht die CDU die Koalitionspartner gegen einander in Stellung zu bringen.

Nachdem bereits die Verteidigungsministerin Christine Lambrecht wegen ihrer scheinbaren Zögerlichkeit und einer Unfähigkeit, die Bevölkerung und die Armee für den Krieg zu begeistern, ihren Hut nehmen musste, weitet sich die Kritik der kriegsbegeisterten Kreise immer mehr auf die ganze Regierung aus.

Schlafmützige Regierung?!

Ein verbreitete Sichtweise bei diesen ist, dass die deutsche Rüstungsindustrie exzellente Dienste leisten, die Regierung aber eher schlafmützig agieren würde. In das gleiche Horn bläst auch der Rheinmetall-Chef Armin Papperger, der wohl zu den größten Profiteuren von der Zuspitzung der Kriegsvorbereitungen zwischen den kaüpitalistischen Großmächten zählen dürfte.

Bei der Handelsblatt-Konferenz „Sicherheit und Verteidigung“ am Dienstag meinte der Vorstandschef des Waffenkonzerns: „Die gesamte deutsche Industrie ist bereit. Die Ressourcen sind da, die Leute sind da, wir haben auch das Know-how. Was wir jetzt brauchen, ist gemeinsam mit der Politik den Schulterschluss, dass wir eine Planungsfähigkeit haben.“

700 Millionen Euro habe man in die Kapazitätserweiterung gesteckt und 2000 neue Beschäftigte angeworben. Selbstverständlich waren auch die Börsenkurse des Unternehmens nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs wieder in die Höhe geschossen. Nach dem Aufkauf des spanischen Munitionsherstellers Expal rechnet man zudem mit Umsatzsteigerungen auf elf bis zwölf Milliarden Euro im Jahr 2025.

Der Mangel an Munition ist auch eines der Lieblingsthemen der militaristischen Kreise in der deutschen Politik und Wirtschaft, die im Wesentlichen von allen deutschen Monopolkonzernen unterstützt werden. Auch Papperger äußert sich in diese Richtung. In diesem Jahr müsse man die Zeitenwende „wirklich einleiten“ und den Wehretat aufstocken, um den Mangel an Munition nicht erst in dreißig Jahren zu beseitigen.

Die Reichen brauchen den imperialistischen Krieg, wir nicht

Dass Papperger und Co. Sich für mehr Tempo bei der Aufrüstung einsetzen, ist natürlich so spektakulär wie die Feststellung, dass Wasser nass ist. Und doch wird in den bestimmenden Medien kaum ausgesprochen, was alle wissen sollten: Die Reichen wollen den Krieg mit anderen Großmächten, weil sie davon profitieren. Die deutschen Konzerne wollen ihren Machtbereich ausweiten, neue Ressourcen erschließen und die Abhängigkeit von anderen großen Mächten durchbrechen. Dabei verdient sich Rheinmetall natürlich direkt dumm und dämlich.

Was der Krieg zwischen Großmächten für uns bedeutet ist hingegen ebenso klar: Erst kürzlich meldete Unicef, dass die Schulbildung von fünf Millionen ukrainischen Kindern und Jugendlichen durch den Krieg beeinträchtigt sei. Jeden zweiten Tag wird eine Schule zerstört. Von den Jugendlichen, die kaum ausgerüstet an der Front für russische Konzerne oder NATO-Interessen sterben müssen ganz zu schweigen.

Und auch uns wird in Form von steigenden Preisen oder kommenden Kürzungen im Sozialwesen die Last für die Aufrüstung aufgelegt.

Wir sollten dieses Spiel nicht länger mitspielen. Jeder Stundenkilometer Tempo, den wir der Aufrüstung in Deutschland nehmen können, sollte ihr genommen werden. Es ist wichtig, weiter gegen den Krieg und die Aufrüstung zu protestieren. Denn Tag für Tag sehen wir, wie die Reichen davon profitieren, wie ihre Medien versuchen, uns einen Bären nach dem nächsten aufzubinden. Es wäre also an der Zeit, dass auch sie Tag für Tag sehen, dass es Widerstand gegen ihre Kriegspolitik geben wird.

  • Student in Berlin, beschäftigt sich mit revolutionärer Geschichte und LGBTI Bewegung


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