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Freitag, Februar 23, 2024
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    Gräfenhausen: LKW-Fahrer zwingen Lohnpreller-Boss in die Knie!

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    In dem seit 5 Wochen andauernden Streik der LKW-Fahrer, die für die Speditiongruppe „Mazur“ fahren, scheint es zu einer Einigung gekommen zu sein. Offenbar ist der Spediteur unter dem Druck des Streikkampfs eingebrochen.

    Auf der Autobahnraststätte Gräfenhausen in der Nähe von Darmstadt streiken seit über fünf Wochen zahlreiche LKW-Fahrer, die bei dem Unternehmen des polnischen Spediteurs Lukasz Mazur beschäftigt sind. Sie warfen ihrem Boss vor, ihnen zum Teil Lohnzahlungen in Höhe von mehreren tausend Euro schuldig zu sein. Insgesamt ging es um eine Summe von knapp 300.000 Euro, die nach einer am 26. April getroffenen Vereinbarung nun komplett gezahlt werden soll.

    In Gräfenhausen streikten offenbar gut 50 Fahrer, aber auch in Niedersachsen, der Schweiz und Südtirol sei es zu ähnlichen Protesten gekommen. Die meisten der Fahrer stammen aus Georgien und Usbekistan und transportieren oft wochenlang – ohne ihre Familien zu sehen – Ware auf den westeuropäischen Autobahnen. Den Fahrern seien nur 85 Euro als Tagessatz versprochen worden und das bei Arbeitstagen, die bis zu 15 Stunden dauern könnten. Dies entspräche dann einem Stundenlohn von 5,66 Euro.

    Offenbar habe auch die Entscheidung des polnischen Kapitalisten, die Sonntage nicht mehr bezahlen zu wollen, zu massiver Empörung bei vielen Fahrern geführt. Mitbekommen hätten sie das zu allem Überfluss teilweise nur deshalb, weil ihre Abrechnung 300 bis 400 Euro geringer ausfiel als erwartet.

    Dass das Unternehmen doch noch einknicken würde und sich der organisierte und entschlossene Widerstand der Arbeiter letztendlich lohnte, hatte sich schon schrittweise abgezeichnet: So hatten die Fahrer immer wieder Teile der ausstehenden Lohnzahlungen erhalten. Bemerkenswert ist, dass die Forderungen für einen Teil der Arbeiter bereits früher erfüllt wurden waren als für andere. Dennoch entschieden sich die Kollegen, gemeinsam und solidarisch vor Ort zu bleiben, bis die Forderungen für alle erfüllt wären.

    Der Unternehmer Mazur ist sich unterdessen keiner Schuld bewusst. Gegenüber der FAZ gab sein Anwalt Krzysztof Skawiańczyk an, sein Mandant sei der Meinung, dass alle Beträge den Fahrern pünktlich ausbezahlt worden seien.

    Nach Angaben der Gewerkschaften und der Fahrer selbst hätten sie zum Teil auch Aufträge für große deutsche Unternehmen erfüllt. Dies sei jedoch in einigen Fällen wiederum durch weitere zwischengeschaltete Unternehmen vermittelt worden. Mehrere große, in Deutschland tätige Konzerne wie DHL, Ikea und VW beeilten sich daraufhin gegenüber der Frankfurter Rundschau, Geschäftsbeziehungen zur Firmengruppe von Lukasz Mazur zu bestreiten.

    Für Aufsehen hatte es in der Öffentlichkeit gesorgt, dass der Speditionsunternehmer am Karfreitag mit zahlreichen Beschäftigten einer privaten Sicherheitsfirma und einem Panzerfahrzeug aus Polen nach Hessen gefahren war, um seine LKWs gewaltsam wieder in seinen Besitz zu bringen.

    Im Auftrag des Chefs: Schlägertruppe greift streikende LKW-Fahrer an

    Weniger große Aufmerksamkeit erregte, dass streikende Fahrer an anderen Orten wohl bedroht wurden: So erzählte ein usbekischer Fahrer, der in Belgien mit dem Streik begann, dass eines Nachts ein Fahrzeug mit der Firmenaufschrift seines Auftraggebers direkt neben ihm parkte. In ihm befanden sich vier Männer…

    Trotz Aussicht auf Einigung sollen sich die LKW der Streikenden erst bewegen, wenn das versprochene Geld nun tatsächlich bei den Fahrern angekommen ist.

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