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Mittwoch, Mai 22, 2024
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    Lieferengpässe und Personalmangel: Apotheken werden kaputtgespart

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    Die “Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände” (ABDA) kritisierte zum gestrigen “Tag der Apotheke” das ‘Kaputtsparen’ der Apotheken in Deutschland. Am 14. Juni sollen aus Protest über die Sparpolitik Apotheken geschlossen bleiben.

    Nachdem die deutschen Apotheken in der Corona-Pandemie bis an ihre Grenzen belastet wurden, werden sie durch die aktuellen Lieferengpässe bei Arzneimitteln bereits mit der nächsten Krise konfrontiert: Die zum “Tag der Apotheke” gestartete Initiative “gegen Zukunftsklau” der ABDA, der Apothekerkammern und Landesverbände soll gemeinsam mit dem Berufsnachwuchs auf die Missstände der aktuellen Lage der Apotheken in Deutschland aufmerksam machen.

    Lieferengpässe dauern an

    Im vierten Quartal 2022 war jeder vierte Patient in Deutschland von Lieferengpässen für Arzneimittel betroffen. Grund für diese Lieferengpässe ist unter anderem die Auslagerung der Medikamentenproduktion in Länder wie China oder Indien, in denen die Arzneimittel kostengünstiger hergestellt werden. Brechen internationale Transportwege zusammen, sind die Medikamente oft in Deutschland nicht mehr erhältlich. Ein weiterer Grund ist der durch die Krankenkassen in Deutschland ausgehandelte Festpreis für Medikamente.

    Ein niedrig festgelegter Preis hat zur Folge, dass sich die Produktion für die profitorientierten Pharmakonzerne nicht lohnt.  Infolge dessen berichten in einer Umfrage der ABDA 54,9% der Apotheken davon, dass aufgrund von Lieferengpässen ein weniger geeignetes Medikament für die Behandlung von Patient:innen verwendet werden musste. 15% berichten davon, dass eine lebenswichtige Therapie nicht möglich war oder verzögert wurde.

    Steigender Bedarf, sinkende Apothekenzahl

    Neben den Lieferengpässen bei Arzneimitteln kritisiert die ABDA auch den Rückgang der Apotheken vor Ort: Im vergangenen Jahr sei die Anzahl um 393 Apotheken gesunken. Dabei steige im Gegenteil der Bedarf an verfügbaren Apotheken mit der alternden Bevölkerung in Deutschland oder Gesundheitskrisen wie während der Corona-Pandemie. Auch gäbe es, wie in so vielen Branchen, einen Mangel an Fachpersonal. Der Verband kündigte deshalb an, am 14. Juni aus Protest gegen die Sparpolitik alle Apotheken geschlossen zu halten. Die Versorgung ist an diesem Tag werde über Notfallapotheken gesichert.

    Die ABDA

    Die Rolle der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ist jedoch nicht die einer Gewerkschaft – sie ist ein Unternehmerverband. Gehaltserhöhungen des Apothekenpersonals, so etwa der pharmazeutisch-kaufmännischen Fachangestellten (PKA), erfolgten Anfang 2022 nicht etwa auf Aktivwerden der ABDA. Die Gehälter mussten schlicht und einfach deshalb angehoben werden, um an den erhöhten Mindestlohn heranzureichen.  Besonders betroffen von dem Kaputtsparen der Apotheken bleiben demnach die einfachen Angestellten, Auszubildenden und die Kranken, die um die Verfügbarkeit der von ihnen unverzichtbar benötigten Medikamente bangen müssen.

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