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Mittwoch, Mai 22, 2024
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    Türkische Armee ermordet Rojava-Politiker:innen mit Drohne

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    Bei einem Drohnenangriff der türkischen Armee auf die kurdischen Autonomiegebiete im Norden Syriens wurden Yusra Derwêş, die Ko-Vorsitzende des Kantons Qamişlo in Rojava, ihre Stellvertreterin Liman Şiwêş und der Fahrer Firat Tûma ermordet. Der Ko-Vorsitzende Gabî Şemûn wurde bei dem Angriff auf ihr Auto schwer verletzt. Reaktionen deutscher Politik und Medien bleiben aus.

    Die Angriffe der türkischen Armee auf die “Autonomous Administration of North and East Syria” (AANES), auch bekannt als “Rojava”, halten an. Zeitgleich zu dem Drohnenangriff bombardierte die Türkei das Dorf Til Şeîr im Kanton Qamişlo. Bereits vor der kürzlich stattgefundenen Wahl in der Türkei kündigte Staatschef Erdogan geplante Angriffe auf die Region an. Yusra Derwêş ist die bisher höchstrangigste Politikerin Rojavas, die vom türkischen Staat ermordet wurde.

    Angriffe auf Rojava werden als Angriffe auf die Frauenrevolution gewertet

    Die Ermordeten Yusra Derwêş und Liman Şiwêş setzten sich ganz besonders für Frauenrechte ein. Der Frauenverband Kongra Star erklärte daraufhin: “Diese Feindseligkeit gegenüber freien Frauen wird uns nicht davon abhalten, den Weg unserer Gefallenen fortzusetzen. Wir verurteilen den brutalen Angriff und rufen alle Frauen und die Gesellschaft dazu auf, die Gefallenen zu würdigen und sich für die Werte unserer Revolution einzusetzen.”

    Keine Reaktion deutscher Politik und Medien

    Über den Drohnenangriff wird in deutschen Medien kaum berichtet. Verlässliche Informationen zu dem Mord an Yusra Derwêş, Liman Şiwêş und Firat Tûma auf deutscher Sprache sind bislang nur im Bericht der kurdischen Nachrichtenagentur ANF erhältlich. Auch Reaktionen der Politik bleiben aus: Die deutsche Bundesregierung äußerte sich bisher nicht zu den Taten des NATO-Partners Türkei.

    Die Kampagne “Women Defend Rojava” macht darauf aufmerksam, dass noch im Oktober 2022 die Außenministerin Annalena Baerbock mit dem “Jin Jiyan Azadî”-Slogan auf dem Parteitag der Grünen posierte. Dieser Spruch (auf deutsch “Frauen, Leben, Freiheit”) ging von der kurdischen Frauenbewegung aus, deren Verfechterinnen Yusra Derwêş und Liman Şiwêş im Drohnenangriff starben – und zu dem Baerbock bisher schweigt.

    Deutscher Internationalist Thomas Johann Spiess am 15. Juni gefallen

    Schon am 15. Juni war der aus Deutschland stammende Guerilla Thomas Johann Spiess gemeinsam mit zwei Kampfgenoss:innen in den Reihen der Volksverteidigungskräfte (HPG) gefallen, wie das Pressezentrum der kurdischen Guerillakräfte bekannt gab.

    Thomas Johann Spiess hatte sich als Student intensiv mit verschiedenen fortschrittlichen Theorien und Bewegungen auseinandergesetzt und sich schließlich im Jahr 2016 dem kurdischen Befreiungskampf in den Reihen der PKK angeschlossen.

    In der Erklärung der HPG wird er als überaus fähiger Guerillakämpfer, der von starkem internationalistischen Geist durchdrungen war und stets eine Quelle der Ermutigung für seine Genoss:innen war.

    Er verlor sein Leben gemeinsam mit der Guerilla Kadriye Tetik und dem Guerilla Diyako Saîdî am 15. Juni bei einem bewaffneten Zustand mit der türkischen Invasionsarmee im südkurdischen Xakurkê, das an der Grenze zu Nordkurdistan liegt.

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