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Dienstag, Mai 28, 2024
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    Studie: Spielen Frauen tatsächlich schlechter Fußball?

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    Diskussionen um Frauen im Sport sind oft sexistisch und diskriminierend. Insbesondere Fußballerinnen werden immer wieder an den Leistungen ihrer vermeintlich leistungsstärkeren männlichen Kollegen gemessen. Eine Studie aus Zürich scheint jetzt zu beweisen, dass hinter dem angenommenen Gefälle wenig Substanz steckt.

    Seit vergangenem Donnerstag findet die mittlerweile neunte Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland statt. Diese glänzt zwar bislang mit verhältnismäßig hohen Einschaltquoten, jedoch immer noch gehören für viele Spielerinnen sexistische und missachtende Kommentare  zum Alltag. Dazu kommt, dass Frauenfußball häufig als langweilig und undynamisch dargestellt wird. Selbstironisch bezeichnete die deutsche Nationalmannschaft der Frauen ihre Arbeit in einem Werbeclip zur vergangenen WM 2019 als „Amateurfußball, nur in Zeitlupe“.

    Schon 2020 konnte die Deutsche Sporthochschule in Köln jedoch keine signifikanten Leistungsunterschiede zwischen fußballspielenden Männern und Frauen feststellen. Forscher aus Zürich konnten diesen Befund nun nochmals bestätigen: So wurde rund 600 Proband:innen ein Zusammenschnitt aus hochklassigen „Saisonhighlights“, also besonders eindrücklichen Torszenen, gezeigt. Darin waren sowohl Fußballerinnen als auch Fußballer beim Toreschießen zu sehen.

    Eine Gruppe sah dabei die Originalvideos, und konnte anhand „typischer“ sekundärer Geschlechtsmerkmale wie der Form des Gesichts, der Körperbehaarung oder der Frisur recht schnell Männer- und Frauenteams unterscheiden. Sie empfanden das Spiel der Männer größtenteils als spannender als das der Frauen. Eine zweite Gruppe verfolgte dieselben Spielszenen – nur dass die Spieler:innen durch einen Unschärfefilter unkenntlich gemacht wurden.

    Besondere Benachteiligung von Fußballerinnen auch in vielen weiteren Aspekten

    Das Ergebnis: Konnte das Publikum das Geschlecht der Fußballprofis nicht erkennen, so wurden Fußballerinnen und Fußballer qualitativ ähnlich eingeschätzt. Ein Großteil der Zuschauer:innen findet Fußball vermutlich einfach aus dem Grund spannender, weil gerade ein Mann und nicht etwa eine Frau den Ball spielt. Carlos Gomez-Gonzales, Hauptautor der Studie, weist im Zuge dessen darauf hin, dass „geschlechtsspezifische Informationen … unsere Wahrnehmung von Qualität beeinflussen“ können.

    Die besondere Zweitrangigkeit von Frauen im Sport schlägt sich zusätzlich  noch in vielen weiteren Aspekten nieder: Der Gehaltsunterschied zu den männlichen Profis fällt im Profifußball beispielsweise besonders stark aus. So verdienen Männer im Fußball 50 bis sogar 200 Mal mehr als weibliche Kolleginnen einer Liga mit gleichem Spielniveau.

    Außerdem ist es nicht unbedingt ein Einzelfall, dass Fußballerinnen im Schwangerschaftsfall, trotz ihrem formalen Recht auf Mutterschutz, ihre Löhne nicht oder nicht vollständig ausgezahlt werden. Auch dass Frauen überhaupt Fußball spielen „dürfen“, war nicht immer selbstverständlich – so hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Frauenfußball 1955 im Bundestag offiziell verboten. Mit der Aussage, dass „im Kampf um den Ball … die weibliche Anmut“ verschwinden würde, begründete der Sportverband damals das Verbot. 1970 wurde die repressive Regelung gekippt, doch der Kampf um Gleichberechtigung wird heute immer noch geführt.

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