Während die Aufrüstung auf Hochtouren läuft, äußert der Bund Interesse an einem Einstieg des Staats in den größten deutschen Marine-Hersteller “Thyssenkrupp Marine Systems” (TKMS). Daneben steht die Möglichkeit eines Zusammenschlusses der drei existierenden deutschen Marine-Hersteller im Raum.

Am Dienstag, den 12. September hat der deutsche Verteidigungsminister Pistorius dem Unternehmen TKMS zu Baubeginn einer neuen U-Boot-Serie einen Besuch abgestattet. Die neue U-Boot-Klasse “212CD” ist eine Kooperation zwischen Deutschland und Norwegen. Die Boote werden 73 Meter lang, besser im Wasser getarnt und mit Schwergewichtstorpedos bewaffnet sein. Während des Besuchs hat Pistorius auch das Interesse des deutschen Staats ausgesprochen, sich an dem Konzern zu beteiligen.

Dies wäre ein großer Schritt in Richtung Kriegswirtschaft: Während zwar schon zum jetzigen Zeitpunkt Rüstungsindustrie und Staat Hand in Hand an einer deutschen Kriegsbereitschaft arbeiten, würden mit einer staatlichen Beteiligung Verwaltungs- und Weisungswege verkürzt werden. Durch eine direkte Mitwirkung in den geschäftsführenden Organen der Unternehmen könnte die Produktion noch effizienter auf den deutschen Bedarf zugeschnitten werden.

Monopolisierung auf dem deutschen Marinemarkt?

Gleichzeitig steht ein Zusammenschluss der jetzigen drei Marktteilnehmer zur Diskussion. Zum jetzigen Zeitpunkt zählen zu den deutschen Marineunternehmen (nach Größe absteigend): TKMS, Naval Vessels Lürssen (NVL) und die Kiel German Naval Yards. In einem ersten Schritt könnte sich TKMS von seinem Mutterkonzern Thyssenkrupp lösen, um dann mit NVL zu fusionieren. In das dann entstehende Unternehmen könnte dann schließlich Kiel German Naval Yards eingebracht werden.

Währenddessen wird die Börsenfähigkeit der Gruppe angestrebt, an deren Ende TKMS nach Rheinmetall der zweitgrößte Player am Aktienmarkt wäre. Unterstützt werden soll das deutsche Unternehmen dabei von The Carlyle Group, einem US-Private-Equity Fond. Mit dem deutschen Börsengang könnte sich die Gruppe, die bis 2003 unter anderem von George W. Bush beraten wurde, bereichern. Der Fond hält die meisten fossilen Unternehmen und bereichert sich fortlaufend an der Klimakrise und möglicherweise nun auch bald an der deutschen Aufrüstung.

Imagepolierung und massenhaft Geschäfte

Die Waffenausgaben der europäischen Staaten sind dieses Jahr zum ersten Mal wieder höher als 1989 zum Ende des Kalten Krieges. Diesen Boom fühlten vergangenes Wochenende alle Aussteller auf der Rüstungsmesse im polnischen Kielce. Die weltweite Aufrüstung verschafft allen Teilnehmenden einen enormen Geldstrom. Daneben hat es nicht nur die deutsche Regierung geschafft Aufrüstung wieder salonfähig machen: Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine nimmt der Ruf der verschiedenen Nationen nach mehr Militarisierung und Waffen stetig zu und erscheint auch bis jetzt keinen Abbruch zu erleiden.


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