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Montag, April 22, 2024
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    Fan-Protest gegen DFL-Investoreneinstieg lässt nicht nach

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    Seit Monaten herrscht in deutschen Fußballstadien Proteststimmung, und diese scheint auch nicht allzu bald abzuflachen. Die Fan-Proteste gegen einen möglichen Einstieg eines Investors in die Deutsche Fußball Liga (DFL) setzten sich auch am 22. Spieltag fort, teils auf kreative Weise.

    Über zehn Wochen ist es mittlerweile her, dass 24 von 36 Vereinen der ersten und zweiten Bundesliga dafür stimmten, bei der DFL einen Investor ins Boot zu holen. Somit wurde die für die Entscheidung nötige Zweidrittelmehrheit knapp erreicht. Über das ganze letzte Jahr hinweg hatte die DFL versucht, diesen Prozess anzustoßen und traf dabei auf heftigen Widerstand verschiedenster Fan-Lager. Nach der mit Ach und Krach gewonnenen Abstimmung im Dezember hat sich der Fan-Protest nochmals enorm verstärkt.

    Es ist unklar, ob die DFL damit gerechnet hat, dass die Proteste nach kurzer Zeit abklingen oder in den Hintergrund rücken würden, jedoch ist das genaue Gegenteil der Fall: Auch mehr als zwei Monate nach der Entscheidung protestieren die Anhänger:innen weiter. Mittlerweile ist es fast schon üblich, dass es bei den meisten Spielen mehrminütige Unterbrechungen gibt, weil Fans Gegenstände wie Tennisbälle aufs Spielfeld werfen. Inzwischen werden auch immer häufiger neue Protestformen angewandt.

    Ferngesteuerte Autos und Flugzeuge

    Auch am 22. Spieltag der beiden höchsten Fußball-Ligen Deutschlands kam es bei den meisten Spielen zu langen Spielunterbrechungen, weil Fans Tennisbälle aufs Spielfeld warfen, in einigen Partien wurde auch erneut mit einem Spielabbruch gedroht. Doch auch über die „üblichen“ Mittel hinaus machten die Fußball-Anhänger:innen an diesem Wochenende ihrem Unmut Luft:

    Im Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Werder Bremen am Samstag warfen Fans neben Tennisbällen auch drei ferngesteuerte Spielzeugautos aufs Feld und fuhren sie über den Platz. Diese konnten natürlich deutlich schwerer eingesammelt werden als ein gewöhnlicher Tennisball. Parallel enthüllten die Kölner Ultras ein Banner auf dem zu lesen war: „Wir lassen uns nicht fernsteuern“. Die Fans des FC Hansa Rostock setzten beim Spiel gegen den Hamburger SV noch einen oben drauf: zwei ferngesteuerte Autos, auf denen Rauchtöpfe montiert waren, düsten am Sonntag durch das Ostseestadion.

    Doch die Protestbewegung beschränkt sich nicht nur auf Bodenfahrzeuge: Bei der Partie SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt am Sonntag nutzten Fans gar zwei ferngesteuerte Flugzeuge, um den Spielbetrieb zu stören. Außerdem wurden Süßigkeiten aufs Spielfeld geworfen. Beim Spiel zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem 1. FC Kaiserslautern gingen die Fans ebenfalls noch einen Schritt weiter, als am Sonntag ca. 300 Anhänger:innen aus dem Nürnberger Fan-Lager ihren Block verließen und für rund 15 Minuten den Innenraum des Stadions besetzten.

    In vielen Stadien konnte man zusätzlich zu den Protest-Aktionen zahlreiche Plakate und Transparente sehen, die sich deutlich gegen einen Investoren-Einstieg aussprechen und verschiedene DFL- und Vereinsfunktionäre teils sehr derb in die Kritik nehmen.

    Fans erzielen erste Erfolge

    Die Fan-Proteste zeigen inzwischen ihre ersten Wirkungen: Aufgrund des enormen Drucks ihrer Anhänger:innen sprechen sich inzwischen immer mehr Clubs für eine Neuabstimmung bei der DFL aus. Bisher liegt der DFL aber noch kein solcher Antrag vor. Außerdem gibt es auch von Vereinsseite und Fußballfunktionären immer mehr Kritik an Martin Kind: Es wird vermutet, dass der Geschäftsführer von Hannover 96 entgegen der Anweisung seines Stammvereins für einen Investoren-Einstieg gestimmt hat. Das wäre ein klarer Verstoß gegen die „50+1“-Regel.

    Darüber hinaus hat vor kurzem der US-Konzern Blackstone verkünden lassen, sich aus dem Rennen um die Partnerschaft mit der DFL zurückzuziehen. Laut DFL schied Blackstone aus, da sich „kritische Punkte […] und ökonomische Aspekte kumuliert“ hätten. Die amerikanische Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete allerdings, dass auch die anhaltenden Fan-Proteste eine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. Blackstones Absprung ist für die DFL ein Rückschlag.

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