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Dienstag, März 5, 2024
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    Proteste gegen Investoreneinstieg bei der DFL

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    Seit Wochen protestieren Fußballfans in der Bundesliga gegen die Ausverkaufspläne der Deutschen Fußball Liga (DFL). Die DFL möchte rund eine Milliarde Euro über einen strategischen Investitionspartner generieren. Fans kritisieren unter anderem die undemokratischen Vorgänge bei Verband und Vereinen.

    Das letzte Fußball-Wochenende war wieder geprägt von breitem Unmut und Protest. Diese richteten sich gegen die DFL und ihre Pläne, einen milliardenschweren Investor einsteigen zu lassen, um die Vermarktung der Fußball-Bundesliga zu verbessern. Viele Fans befürchten, dass durch den Investoreneinstieg eine weitere Spieltagszerstückelung und Spiele im Ausland oder womöglich auf anderen Kontinenten möglich seien.

    Protest gegen undurchsichtige Abstimmungen

    In den vergangenen Wochen protestierten verschiedene Fan-Clubs mit einem 12-minütigen Schweigen zu Beginn der Partie und Spruchbannern mit Stellungnahmen gegen die DFL. Hinzu kamen vereinzelte Spielunterbrechungen, weil beispielsweise Goldmünzen aus Schokolade aufs Spielfeld geworfen wurden.

    Vielerorts verlagert sich nun der Protest zum Fokus der kompletten Spielunterbrechung: Besonders in Berlin beim Zweitligaspiel Hertha BSC Berlin gegen den Hamburger SV bekamen dies die Beteiligten zu spüren. Beide Fan-Lager warfen aus Protest Tennisbälle aufs Spielfeld. Die Partie musste zwischendurch 32 Minuten unterbrochen werden und stand sogar kurz vor einem Abbruch.

    Am Sonntag meldete sich die Berliner Ultragruppe Harlekins Berlin ’98 zu Wort und erklärte, dass man sich scheinbar schnell an kurze Proteste und kurze Spielunterbrechungen gewöhnt habe in Deutschland. Durch die besonders lange Unterbrechung und dem fast drohenden Spielabbruch aber seien der zugrundeliegende Unmut und die Forderungen dahinter wieder sichtbarer geworden. Konkret kritisiert man die illegitime und intransparente Art und Weise, wie man im Dezember 2023 die Abstimmung in der DFL habe durchgehen lassen.

    So sei bewusst ein geheimer Abstimmungsmodus gewählt worden, um den Abstimmenden wie Martin Kind zu ermöglichen, dass diese gegen die ausdrückliche Weisung ihres Stammvereins stimmen können. Martin Kind sieht sich in einem jahrelangen Konflikt mit den Fans und Mitgliedern des eigenen Vereins Hannover 96. Während Kind seit Jahren entschiedener Gegner der 50+1-Regel ist und damit sehr wahrscheinlicher Befürworter des DFL-Investoreneinstiegs, wies ihn der Hannover 96 e.V. an, bei der DFL-Abstimmung mit „Nein“ zu stimmen.

    Durch das knappe Ergebnis am 11. Dezember 2023 und die bekannten „Nein“-Stimmen und Enthaltungen ist es daher sehr wahrscheinlich, dass Martin Kind gegen die Weisung seines Stammvereins gestimmt und damit die 50+1-Regel ad absurdum geführt hat.

    Unter anderem diesen, aber auch weitere Vorgänge wie z.B. das Wiederholen der Wahlen solange, bis das gewünschte Ergebnis eintrete, kritisiert die Ultragruppe des Hauptstadtklubs. „Das Ergebnis hätte so nur unter völliger Missachtung der demokratischen, mitgliedergeführten Vereine zustande kommen können“, meinen sie.

    Deutschlandweiter Fanprotest weitet sich aus

    Doch nicht nur in Berlin regte sich Widerstand. Auch in anderen deutschen Stadien zeigte man sich am Wochenende massiv verärgert über die Pläne. Beim Südwestduell der zweiten Bundesliga zwischen dem SV Elversberg und dem 1. FC Kaiserslautern zeigten z.B. die FCK-Fans ein Spruchband mit der Aufschrift „DFL-Investoren machen uns sauer!“ und warfen dabei Zitronen auf den Rasen.

    In Wolfsburg musste am Sonntagnachmittag das Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und der TSG 1899 Hoffenheim mit Verspätung angepfiffen werden, da die VfL-Fans mit ihren tausenden Pfeifen für Unruhe sorgten, sodass man zwischenzeitlich diejenige des Schiedsrichters nicht mehr hören konnte. „Wir pfeifen auf euch!“ war dort die Message auf dem Spruchband.

    Fast zeitgleich warfen auch beim Spiel Hannover 96 gegen den FC Hansa Rostock die 96-Fans massenhaft Tennisbälle auf den Platz. Das Spiel musste insgesamt 8 Mal unterbrochen werden, bevor die Spieler zwischenzeitlich in die Kabinen geschickt wurden. Als sie dann zurück auf dem Rasen waren, wurden zwar immer mal wieder vereinzelt Tennisbälle auf den Rasen geworfen, der Schiedsrichter ließ die Partie dennoch weiterlaufen.

    Während sich die DFL-Verantwortlichen nach eigener Aussage mittlerweile in der ‚kritischen‘ und ‚entscheidenden Phase‘ der Gesprächsverhandlungen befänden, werden die Proteste voraussichtlich die nächsten Wochen weitergehen. Verschiedene Fan-Gruppen kündigten bereits weitere Aktionen bei den kommenden Bundesliga-Spielen an.

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