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Montag, April 22, 2024
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    „Kein Kino ohne uns“ – Arbeiter:innen fordern mehr Lohn von Cinemaxx und Co.

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    An mehreren Orten streiken derzeit Arbeiter:innen der Film- und Kinobranche. Auch die Belegschaft des Cinemaxx-Kinos im Hamburger Stadtteil Wandsbek legte einen Tag lang die Arbeit nieder und forderte mehr Lohn sowie faire Arbeitsbedingungen. Perspektive Online sprach mit einigen der Cinemaxx-Arbeiter:innen.

    In den aktuellen Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft verd.di und dem Kino-Konzern “Cinemaxx” wurden bislang vom Unternehmen nur unzureichende Angebote gemacht. Cinemaxx stellt beispielsweise in Frage, ob überhaupt alle Mitarbeiter:innen nach einem festgelegten Tarif bezahlt werden müssten. Außerdem schlug der Konzern den Mindestlohn als ‘Einstiegs’lohn vor – dieser solle dann allerdings für die ersten 8 Jahre der Beschäftigungszeit gelten, bis die Arbeiter:innen dann eine Lohnerhöhung bekämen.

    Ver.di hatte in Reaktion auf die vorgelegten Angebote dann deutschlandweit zu Warnstreiks aufgerufen. Auch die Belegschaft des Cinemaxx Hamburg-Wandsbek – eines der beliebtesten und rentabelsten Kinos der insgesamt 30 Cinemaxx-Häuser in Deutschland – legte im Zuge dessen am Samstag die Arbeit nieder. Während einer kurzen Streikkundgebung machten die Arbeiter:innen ihre Forderungen deutlich: 14 Euro Einstiegslohn, regelmäßige Lohnerhöhungen mit fortlaufender Beschäftigungszeit, insgesamt faire Arbeitsbedingungen. Die Losung, die die Arbeiter:innen in Hamburg-Wandsbek immer wieder laut wiederholten, lautete dabei: „Kein Kino ohne uns!”

    365 Tage im Jahr Gewinn erarbeiten – aber am Ende des Monats bleibt nichts zum Leben übrig

    Die Kinokonzerne verlangen ihren Arbeiter:innen einiges ab. Ein Kollege beschrieb während der Streikkundgebung in einem Gespräch mit Perspektive Online: „Wir arbeiten im Schichtbetrieb, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, aber bekommen nicht einmal einen Wochenendzuschlag.“

    Die Cinemaxx-Kolleg:innen sind außerdem äußerst frustriert über die Unnachgiebigkeit in den Chef-Etagen. „Es war ein Super-Kinojahr für die Betreiber mit Avatar, Oppenheimer, Barbie und Supermario“, berichtete ein Arbeiter. Doch bei den Kolleg:innen selbst komme von den riesigen Umsätzen nichts an: „Die Inflation ist so hoch, dass wir uns gerade im Niedriglohnsektor fast nichts mehr leisten können. Besonders Lebensmittel, Miete und Strom sind kaum noch bezahlbar“, fuhr der Arbeiter fort und forderte: “Wir wollen am Gewinn beteiligt werden!“

    Obwohl ver.di vorerst nur zu einem 1-tägigen Streik als Druckmittel in der laufenden Tarifverhandlung aufgerufen hatte, blicken die Kolleg:innen in Hamburg-Wandsbek kämpferisch in die Zukunft und sind entschlossen, weitere Streiks zu organisieren, wenn auch das nächste Angebot von Cinemaxx nicht ihren Erwartungen entspricht. Ein Kollege sagte besonders eindrücklich: „Heute ist Warnstreik, das sind die ersten Schüsse, bevor wir richtig streiken“.

    Solidarität mit den Streikenden zeigen

    Auch an anderen Kinos in Hamburg laufen derzeit Arbeitskämpfe: die Streikenden vom Cinemaxx Wandsbek stehen zum Beispiel mit den Belegschaften von anderen Cinemaxx-Häusern, aber auch von “Cinestar” und “UCI” im Austausch und unterstützen sich gegenseitig.

    Gleichzeitig versuchten andere Kino-Betreiber:innen, die Streiks bei der Konkurrenz für ihre eigenen Profite zu nutzen: So schrieb das Hamburger Premium-Kino “Savoy” – auf die Streiks bei der Konkurrenz anspielend und sich selbst für angeblich bessere Bezahlung der eigenen Belegschaft lobend – in den sozialen Medien: „Wir sind offen. Wir streiken so viel, wie wir nach Mindestlohn bezahlt werden (gar nicht)“.

    Die Kolleg:innen in Wandsbek zeigten für derartige Aktionen kein Verständnis. Stattdessen wandte sich ein Arbeiter direkt an alle Kinogänger:innen und forderte auf, Solidarität mit dem Arbeitskampf zu zeigen: „Unterstützt uns! Geht nicht ins Kino, wenn gerade die Streiks laufen!“

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