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Freitag, April 19, 2024
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    Anhaltende Proteste in Peru gegen legalen und illegalen Bergbau

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    Der Bergbau ist ein zentrales Element der neokolonial-abhängigen Wirtschaft Perus. Sowohl der legale, als auch der illegale Bergbau verursachen erhebliche Schäden an der Umwelt, doch der Wille zum Widerstand gegen seine Ausweitung ist enorm und wird zunehmend zum Risikofaktor für das internationale Kapital.

    Erst kürzlich haben Mitglieder des indigenen Volkes der „Wampís” im nördlichen Amazonasgebiet von Peru sieben, an Bergbauoperationen beteiligte Personen eigenhändig festgesetzt. Der illegale Bergbau ist ein seit Jahren auftretendes Phänomen in Peru und führt unter anderem zu schweren Umweltschäden.

    Die autonome Territorialregierung der „Wampis-Nation” (Gobierno Territorial Autónomo de la Nación Wampís) geht aus einem politischen Prozess hervor, der im Jahr 2015 in der Ausrufung einer „Autonomen Nation des indigenen Volkes” gipfelte. Von Anfang an spielte der Schutz der Umwelt im eigenen Lebensraum eine herausragende Rolle.

    Kampf gegen illegalen Bergbau

    Seit Jahren setzt die in Gemeinden organisierte indigene Bewegung – welche wiederum in überregionalen Zusammenschlüssen vereinigt sind – immer wieder Verbote des Bergbaus in ihren Teilen des Amazonas durch.

    Der Staat zeigt sich jedoch offenbar weitgehend unfähig, diese selbst durchzusetzen, weswegen es immer wieder zu ähnlichen Aktionen kommt, bei denen Beteiligte illegaler Goldschürf-Operationen vertrieben werden.

    Schon am 16. Februar war auf der Webseite der Wampís-Nation eine Meldung veröffentlicht worden, in der darüber berichtet wurde, dass fünf Baggerschiffe beschlagnahmt und sieben Personen festgenommen worden seien. Offenbar waren diese zuvor in Begleitung von bewaffnetem Sicherheitspersonal im Gebiet der Wampís gelandet.

    Die Verantwortung für mögliche Gewalt – sollte es dazu kommen – sprach die indigene Organisation deshalb den Betreiber:innen des Minenbaus und der untätigen Regierung zu.

    Der um sich greifende illegale Bergbau zerstört den Amazonas-Regenwald nachhaltig. Besonders drastisch sind seine Folgen im südöstlichen Teil Perus zu sehen. Dort hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte mit „La Pampa“ eine ganze Stadt auf Basis des illegalen Bergbaus gebildet. Durch den Einsatz von Quecksilber bei der Goldgewinnung wurden bereits tausende Hektar Regenwald vergiftet. Experten zufolge wird dort über Generationen hin keine Wiederaufforstung möglich sein.

    In Peru geht die indigene und arme Bevölkerung auf die Straße – die Herrschenden antworten mit Gewalt und Hetze

    Die ökonomische Bedeutung des Bergbaus für das wirtschaftlich von Großmächten abhängige und ausgebeutete Peru ist groß. Produkte aus dem Bergbau machen 60 Prozent des Gesamtexports aus dem Land aus. 10 Prozent des BIP wird in diesem Sektor erwirtschaftet. Für das Jahr 2023 wird ein Wachstum der Branche um knapp 9 Prozent geschätzt.

    Widerstand gegen legalen Bergbau

    Dabei wird unter den Vertreter:innen der peruanischen Kapitalist:innen offen als Problem diskutiert, dass die Umweltzerstörung durch den illegalen Bergbau auch den Ruf des legalen Bergbaus in der Gesellschaft stark in Mitleidenschaft gezogen habe.

    Doch nicht nur der illegale Bergbau ist den Menschen in der Nähe von Schürf-Operationen ein Dorn im Auge. Die letzten Jahre waren auch immer wieder von massiven Konflikten zwischen organisierten Bäuer:innen und internationalen Großkonzernen geprägt. Beispielhaft stehen hierfür das Großprojekt „Las Bambas” und die Mine in „Cuajone” im Süden des Landes.

    In Cuajone wurde der amerikanische Bergbaukonzern „Southern Copper” nach mehrmonatigen Blockaden der Bergbautätigkeiten durch Bäuer:innen aus den umliegenden Gemeinden in die Enge getrieben. Sie besetzten unter anderem das Trinkwasserreservoir, mit dem auch ein Lager von ca. 5.000 Minenarbeiter:innen versorgt wurde. Auch lösten die Bäuer:innen einen Einsatz des peruanischen Militärs aus, da die Regierung ihre Forderung nach Zahlung von 5 Milliarden US-Dollar Entschädigung als „irrational“ bewertet hatte. Ein weiteres Bergbauprojekt des gleichen Konzerns wurde 2019 nach anhaltenden Protesten durch die Regierung gestoppt.

    Die Kampfbereitschaft der peruanischen Bevölkerung in verschiedenen Teilen des Landes wird von Kapitalvertreter:innen als weiteres zentrales Problem des ansonsten boomenden Sektors diskutiert. Die durch solche Widerstandsformen verursachten Verluste hätten sich 2021 auf über 600 Millionen US-Dollar summiert und wurden für 2022 auf knapp 800 Millionen US-Dollar geschätzt.

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