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Montag, April 22, 2024
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    Arbeitsmarkt: Stellenabbau und Fachkräftemangel

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    Die Wirtschaftskrise macht sich längst auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Zahlreiche Unternehmen haben angekündigt, Stellen abzubauen. Betroffen sind unter anderem Zeitarbeiter:innen, die Bauindustrie und Positionen im mittleren Management. Zugleich herrscht bei zahlreichen Jobs weiterhin ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.

    ZF, Bosch und Bayer haben es im Januar angekündigt, die großen Chemiekonzerne im letzten Sommer, und die Tech-Industrie geht bereits in die zweite Runde innerhalb von zwei Jahren: Zahlreiche Unternehmen in Deutschland planen den Abbau von Arbeitsplätzen.

    Die Wirtschaftskrise, in der sich der deutsche Kapitalismus seit dem vergangenen Jahr befindet, macht sich damit auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Zuletzt sind die Arbeitslosenzahlen leicht gestiegen: Im Februar waren 2,814 Millionen Menschen und damit 8.000 mehr arbeitslos gemeldet als im Januar — was ungewöhnlich ist, da die Arbeitslosigkeit im Februar normalerweise zurückgeht. Im Vergleich zum Februar 2023 ist die Arbeitslosenzahl um 194.000 gestiegen.

    Zeitarbeiter:innen und Bauindustrie besonders betroffen

    Besonders betroffen sind Zeitarbeiter:innen, die in Krisen für gewöhnlich als erste nach Hause geschickt werden. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Zahl der Beschäftigten in der Zeitarbeit seit Anfang 2022 um rund 10 Prozent zurückgegangen. Ebenso gibt es einen signifikanten Personalabbau in der Bauindustrie. Hier gehen die Firmen davon aus, in den kommenden Monaten rund 10.000 Jobs zu streichen. Es handelt sich dabei um den ersten großen Stellenabbau der Branche seit der Weltwirtschaftskrise 2008/09 — und um eine Besonderheit, die aus der aktuellen Immobilienkrise folgt. Leichte Rückgänge bei der Beschäftigung gibt es daneben auch im Handel und in der Industrie.

    Wirtschaftskrise: Bauindustrie rechnet mit Abbau von 10.000 Stellen

    Die Sparprogramme einiger der genannten Konzerne wiederum haben vor allem die Umstellung auf neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) oder Elektroautos zum Hintergrund. Das führt dazu, dass z.B. Spezialist:innen für Getriebe in Zukunft nicht mehr gebraucht werden und die entsprechenden Stellen wegfallen, während die Firmen zugleich händeringend etwa nach KI-Expert:innen suchen. Ebenso wollen viele Unternehmen ihre Entscheidungsstrukturen an die software- und datengetriebene neue Welt anpassen und bauen dafür zahlreiche Hierarchieebenen im Management ab. Bei Bayer z.B. betrifft der Stellenabbau insbesondere das mittlere Management.

    Betrachtet man wiederum die Entwicklung bei den Stellenangeboten, sind diese im Personalwesen (- 30,9 %), der Softwareentwicklung (- 30,0 %), dem Marketing (-25,8 %) und dem Projektmanagement (- 22 %) besonders rückläufig. Hierbei handelt es sich aber gerade um gut bezahlte Jobs, bei denen die Zahl der offenen Stellen in den Vorjahren besonders hoch war. Viele Firmen schieben Neueinstellungen hier erst einmal auf, bis sich die wirtschaftliche Lage durch Krise und inflationsbedingte hohe Kosten wieder gebessert hat.

    Arbeitskräftemangel hält gleichzeitig an

    Obwohl die Krise auf dem Arbeitsmarkt sichtbar ist, kann von einer großen Entlassungswelle dennoch keine Rede sein. Denn diese Krise zeichnet sich durch die Besonderheit aus, dass in zahlreichen Berufen immer noch ein Mangel an Arbeitskräften herrscht. So gab es im Frühjahr 2023, als die Krise bereits hereingebrochen war und die Beschäftigtenzahl leicht zurückging, fast 540.000 regelmäßig nicht besetzte Stellen in Deutschland. Besonders gesucht waren Arbeitskräfte in der Sozialarbeit, Kinderbetreuung und -erziehung, der Alten- und Krankenpflege sowie der Bauelektrik.

    Dementsprechend ist auch die Zahl von 2,8 Millionen Arbeitslosen immer noch vergleichsweise niedrig: Während der Krise 2008/09 gab es noch 3,3 bis 3,4 Millionen Arbeitslose — auch wenn solche Vergleiche aufgrund ständiger Definitionsänderungen von Arbeitslosigkeit und damit der statistischen Grundlage für diese Zahlen immer mit Vorsicht zu behandeln sind.

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