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Montag, April 22, 2024
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    Frauen leisten 30 Stunden unbezahlte Care-Arbeit pro Woche

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    Frauen arbeiten im Durchschnitt täglich 1 Stunde und 17 Minuten länger als Männer. Die unbezahlte Care-Arbeit wie Kinderbetreuung, Haushalt oder Pflege wird weiterhin in hohem Maße von Frauen verrichtet. Laut Statistischem Bundesamt kommen Frauen durchschnittlich auf fast 30 Stunden unbezahlte Sorgearbeit pro Woche – Frauen mit jungen Kindern sogar auf 48 Stunden. Zudem weisen Studien wie diese verschiedene weitere Unzulänglichkeiten auf.

    Am 28. Februar präsentierte das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer Pressekonferenz die Ergebnisse der „Zeitverwendungserhebung 2022/23”. Die Studie wird alle 10 Jahre durchgeführt, 2022 zum vierten Mal. Sie soll unter anderem das Ausmaß und die Verteilung von unbezahlter Reproduktionsarbeit aufzeigen. Unter „Reproduktionsarbeit” – oft auch „Care-Arbeit” oder „Sorgearbeit” genannt – fällt all die private Arbeit, die notwendig ist, um am nächsten Tag wieder zur Lohnarbeit gehen zu können.

    Frauen arbeiten mehr – besonders mit jungen Kindern

    Der Zeitaufwand von über 18-jährigen Frauen (mit und ohne eigenen Haushalt) für unbezahlte Reproduktionsarbeit liegt bei durchschnittlich 29 Stunden und 47 Minuten pro Woche. Männer wenden dagegen nur 20,43 Stunden für diese Art der Arbeit auf. Im Vergleich zur letzten Erhebung vor 10 Jahren hat sich der unbezahlte Arbeitsaufwand von Frauen wöchentlich um 20 Minuten erhöht, Männer haben 1 Stunde und 20 Minuten mehr unbezahlte Arbeit geleistet.

    Damit ist die Differenz zwischen Frauen und Männern im Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit zwar von 52,4 auf 43,8 Prozent gesunken. Betrachtet man daneben jedoch den unterschiedlichen Zeitaufwand für bezahlte Lohnarbeit, zeichnet sich ein anderes Bild: Zwischen 2011 und 2021 stieg die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei Frauen von 30,5 auf 30,7 Stunden. Bei Männern sank sie dagegen von 39,9 auf 38,4 Stunden.

    So ist der Unterschied im gesamten Arbeitsaufwand im Zeitraum von 2012/2013 bis 2022 gestiegen, wobei Frauen 2022 etwa 1,5 Stunden mehr als Männer arbeiten. Im Vergleich dazu betrug der Unterschied vor zehn Jahren nur etwa 1 Stunde. Wenn bezahlte und unbezahlte Arbeit kombiniert werden, arbeiteten Frauen fast 45,5 Stunden, Männer hingegen im Durchschnitt knapp 44 Stunden.

    Unterschiede zeigen sich auch in der Verteilung der Aufgaben in der Reproduktionsarbeit. In den Bereichen Kochen, Waschen, Putzen, Betreuung und Pflege ist der Unterschied besonders groß und Frauen leisten hier teilweise mehr als doppelt so viele Stunden. In den Bereichen Gartenarbeit, Handwerk und Ehrenamt liegt der Zeitaufwand deutlich näher beisammen oder die Männer leisten sogar mehr Stunden.

    Zudem zeigen sich starke Unterschiede zwischen Frauen mit und ohne Kinder: Mit Abstand am stärksten belastet sind Frauen mit Kindern unter 6 Jahren. Diese arbeiten durchschnittlich pro Woche 61 Stunden, davon etwa 48 Stunden unbezahlte Reproduktionsarbeit und damit 18 Stunden mehr als Männer. Zwar leisten Männer insgesamt genau so viel Arbeit, jedoch entstehen gerade aus dem Unterschied in der unbezahlten Arbeit die besonders großen Unterschiede in der finanziellen Absicherung und Eigenständigkeit.

    Unzulänglichkeiten der Erhebungen

    Die Ergebnisse der Studie zeigen eine ungleiche Verteilung von verschiedenen Aufgaben und den insgesamt geleisteten Stunden unbezahlter Arbeit. Die Folgen, die aus dieser ungleichen Verteilung entstehen, werden jedoch nicht aufgezeigt. Dabei haben sie weitreichende Folgen: Die fehlenden finanziellen Möglichkeiten von Müttern, die deutlicher weniger Lohnarbeit nachgehen, führen unter anderem zu einer starken Abhängigkeit von ihren Männern. Damit wird beispielsweise eine Trennung fast unmöglich, was für Frauen nicht erst bei häuslicher Gewalt zum Problem wird.

    Ein Problem der Statistik ist außerdem die eingeschränkte Erhebung von verschiedenen Arten der Reproduktionsarbeit. So wurden mehrere Beispiele für unbezahlte Arbeit vorgelegt, von Haushaltsaufgaben bis hin zum freiwilligen Engagement oder Ehrenamt. Jedoch fehlen Kategorien wie z.B. die emotionale Arbeit, die vermehrt von Frauen geleistet wird. Daneben basieren Studien wie diese auf dem binären Geschlechtersystem, wodurch die Rolle und Belastung von nicht-binären Menschen nicht erhoben wird.

    Ebenso werden Formen der Reproduktionsarbeit auch zum Teil als Lohnarbeit ausgeübt, wobei diese oft von Frauen ausgeübten Arbeiten besonders schlecht bezahlt werden. Das führt dazu, dass Frauen, die 45,5 Stunden wöchentlich arbeiten, trotzdem in Armut leben. Der „Gender Pay Gap“ zeigte jüngst, dass Frauen im Durchschnitt 18 Prozent weniger verdienen als Männer, im gleichen Beruf und gleicher Position immerhin noch ganze 6 Prozent weniger. Laut Destatis ist Deutschland damit einer der Staaten mit der größten Ungleichheit in der EU.

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