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Samstag, Mai 25, 2024
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    Nestlé: Zuckersucht für die Armen

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    Seit Jahren ist der Lebensmittelhersteller Nestlé in eine Reihe von Skandalen im Zusammenhang mit ihren Produkten und Geschäftspraktiken verwickelt. Jetzt sind neue Vorwürfe an die Öffentlichkeit gekommen. Das Unternehmen soll in ärmeren Ländern einen hohen Anteil an Zucker in Babynahrung gemischt haben.

    Das Lebensmittelunternehmen Nestlé ist aufgrund vieler Skandale seit Jahren in der Kritik und wie kein anderer Konzern in der Art öffentlich diskreditiert. Nun ist das Unternehmen erneut wegen seiner Geschäftspraktiken negativ aufgefallen.

    Laut Recherchen von Public Eye und dem International Action Network for Infant Food (IBFAN) setzt Nestlé in seinen Babynahrungsprodukten Cerelac und Nido, die vor allem in Ländern mit einer ärmeren Bevölkerung verkauft werden, eine große Menge an Zucker zu. In Tests wurde beispielsweise in dem Milchpulver Nido aus Panama eine Zuckermenge von 5,3 Gramm pro Portion gefunden. In den europäischen Staaten werden die gleichen Produkte dagegen ohne Zuckerzusatz verkauft.

    Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt das Weglassen von Zucker in Nahrung für Kleinkinder, um diese nicht an Zucker heranzuführen und das Risiko von Zuckersucht und daraus folgenden Adipositas zu minimieren. Nestlé übernimmt diese Empfehlung in der eigenen Werbung, nutzt gleichzeitig aber Gesetzeslücken in ärmeren Ländern um ihre zuckerhaltigen Produkte massenweise zu verkaufen.

    Babynahrung ist kein neues Problem

    Die aktuellen Vorwürfe gegenüber dieser Vorgehensweise sind nicht die ersten, die gegen das Unternehmen im Kontext von Lebensmittelprodukten für Kleinkinder erhoben werden. Bereits in den 70er Jahren veröffentlichten zwei englische Hilfswerke einen Bericht mit dem Titel „Nestlé tötet Babys.“ über die Vermarktung ihres Milchpulvers.

    Wie bei der zuckerhaltigen Kleinkindernahrung bewarb das Unternehmen das Milchpulver als gesunde Ernährung für Babys – trotz gegenläufiger Empfehlungen der WHO. Der Bericht behandelte vor allem die großangelegte Vermarktung des Milchpulvers in den afrikanischen Ländern als Alternative zum Stillen des Kindes. Hierbei wurde allerdings nicht auf die Risiken durch mangelnde Hygiene und verunreinigtes Wasser hingewiesen, in dessen Folge tausende Kleinkinder an Durchfall und anderen Krankheiten starben.

    Wasserausbeutung und Umweltzerstörung

    Neben den Skandalen rund um die Lebensmittelprodukte für Kleinkinder ist Nestlé auch wegen einer Reihe anderer Themen in der Kritik. Eines der bekanntesten Themen ist der Kauf von Grundwasser in wasserarmen Regionen. Das angekaufte Grundwasser wird vom Unternehmen abgefüllt und dann wieder an die Bevölkerung verkauft. Dabei werden Profite mit der Not der Menschen gemacht.

    Im Jahr 2018 erhöhte der Konzern die Einnahmen aus seinem Wasserverkauf durch eine Preissteigerung von 2,7 Prozent. Im Dokumentarfilm „Bottled Life“ wird das Geschäft mit dem Wasser von Nestlé behandelt und in Zusammenhang mit Dürren in einigen Regionen beispielsweise in Pakistan gebracht.

    Ein weiteres Thema ist der Anbau von Palmen zur Gewinnung von Palmöl und die damit verbundene Abholzung von großen Flächen des Regenwaldes. Die Quellen des Palmöls sind weitestgehend unbekannt. Eine Sprecherin des Unternehmens behauptete zwar gegenüber dem britischen Guardian, dass das Unternehmen 90 % des Rohstoffs bis zur Ölmühle zurückverfolgen kann. Im selben Bericht wird allerdings auch festgestellt, dass nur ein Drittel bis zur Plantage nachvollzogen werden kann.

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