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Montag, Juni 24, 2024
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    „Sagen wir basta!“: Proteste auf Mallorca gegen Massentourismus

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    Nach einem Restauranteinsturz auf Mallorca protestierten tausende Einwohner:innen gegen den Massentourismus.

    Schockierende Nachrichten aus Mallorca gingen am vergangenen Donnerstag durch die Medien: Am Strand von Playa de Palma stürzte ein voll besuchtes Restaurant ein. Bei dem Einbruch des Gebäudes kamen vier Menschen ums Leben. Nach einer ersten Untersuchung wurde bekannt gegeben, dass die Ursache für das Unglück eine Überlastung des „Beach Clubs” gewesen sein könnte. Auch viele Anwohner:innen teilen diese Einschätzung. Sie sind überzeugt, dass ein Großteil der Gebäude in der Umgebung nicht ausreichend für den Massentourismus belastbar sind, den Mallorca seit über 60 Jahren erlebt.

    Schluss mit Massentourismus und Wohnungsnot!

    In Reaktion auf den Vorfall gingen am Wochenende des 25./26. Mai Bewohner:innen der Insel massenhaft auf die Straße. Kinder, Jugendliche, Arbeiter:innen und Rentner:innen protestieren gemeinsam unter dem Motto „Sagen wir basta!“ gegen den enorm starken Massentourismus: Mit den mehr als 10.000 Demonstrierenden hatte man nicht gerechnet, doch von überall auf der Insel waren Menschen in die Hauptstadt Palma gekommen.

    Urlaub: Ein Luxus den Millionen sich nicht leisten können

    Der Tourismus ist das wesentliche wirtschaftliche Standbein der Insel geworden. Die Branche macht 45 Prozent der Wirtschaftskraft aus – dabei wird ein Großteil der Bevölkerung links liegen gelassen: sie profitieren ganz und gar nicht vom Tourismus-Hotspot. Sowohl wirtschaftlich als auch in Bezug auf Wohnraum sieht es für viele schlecht aus, sie stehen oft alleine da. Was sie eint, sind jedoch die Wut und die Frustration, welche mit dem Protest am Wochenende deutlich gemacht wurde. Auch verschiedene Gewerkschaften, Bürgerinitiativen sowie Umweltschutzgruppen hatten sich an der Demonstration beteiligt.

    Auch auf der Arbeit spürt die Bevölkerung die Last des Tourismus schon seit Langem. Bereits im Jahr 2018 kam es zu Demonstrationen für würdige Arbeitsbedingungen. Beispielsweise verwies das Zimmerpersonal in Hotels darauf, dass sie pro Schicht ganze 24 Zimmer reinigen müssen. Körperlich halten viele Hotelangestellte bis zum Renteneintrittsalter nicht durch. Besser sehen die Arbeitsbedingungen auf Mallorca auch heute nicht aus. Durch einen großen Niedriglohnsektor, die starke Inflation und einen immer weiter sinkenden Lebensstandard haben Einwohner:innen der Insel heute sogar noch stärker mit ihrer Lebensrealität zu kämpfen.

    Die Veranstalter:innen der aktuellen Proteste kündigten an, solange weiter zu demonstrieren, bis die Regierung gegen den Massentourismus und die Wohnnot auf Mallorca aktiv werde. „Das hat gerade erst angefangen“, wird Javier Barbero, einer der Organisator:innen, im Mallorca Magazin zitiert. „Wenn die Realität geleugnet wird und immer noch keine Maßnahmen ergriffen werden, nehmen wir uns die Straße, bis sie handeln.“

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