„Würden Sie sich aktiv an einem breiten Aufstand gegen die Generation an der Macht beteiligen, sollte dies in den nächsten Tagen oder Monaten geschehen?“ Mehr als die Hälfte der 18 bis 34-jährigen hat diese Frage in einer Umfrage mit 580.000 Personen mit „Ja“ beantwortet.

Die Frage war Teil einer von der Europäischen Union gesponsorten Umfrage „Generation What?“, die in 35 Ländern stattfand. Die Befragung zeigte, dass vor allem junge Menschen aus Griechenland bereit sind, sich an einem Aufstand zu beteiligen (67%), gefolgt von Italien (65%) und Spanien (62%). Auch in Frankreich, einem Land mit einer großen Tradition von Arbeiterprotesten und Streiks, stimmten 61% der Jugend zu, sich an einer Revolte zu beteiligen. Am anderen Ende sind die Niederlande zu finden, in der nur 33% die Bereitschaft für einen Aufstand signalisierten. Auch Deutschland (37%) und Österreich (39%) waren weniger bereit zu rebellieren. Gleichzeitig ist hier die Angst vor sozialen Unruhen im europäischen Vergleich am höchsten.

Kein Vertrauen in die Politik

Insgesamt ist das Vertrauen junger Europäer in die Politik gering. So haben 45% der Jugend „überhaupt keins“ und 37% „eher keins“. Insbesondere beim völligen Vertrauensverlust zeigen sich Unterschiede zwischen den Ländern. In Deutschland haben „nur“ 23% überhaupt kein Vertrauen in die Politik. Das ist im Europavergleich der niedrigste Wert. Am stärksten unterscheiden sich die jungen Deutschen hier von den Griechen (67%), den Franzosen (62%) und den Italienern (60%).
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Vertrauen in die Polizei: Während in den Niederlanden (70%), Deutschland (67%) und der Schweiz (65%) das Polizei-Vertrauen am größten ist, ist dies in Griechenland mit nur einem guten Viertel am niedrigsten.

Geringes Vertrauen in die Medien

In allen befragten Ländern herrscht großes Misstrauen gegenüber den eigenen Medien. Durchschnittlich sprechen ihnen nur 2% „völliges“ Vertrauen aus, und auch nur 17% sagen, dass sie ihnen „mehr oder weniger“ vertrauen. Dem stehen europaweit 39% gegenüber, die „überhaupt kein Vertrauen“ in die Medienlandschaft aufbringen und 41 Prozent, die ihr zumindest „skeptisch“ gegenüberstehen. Auch in Deutschland genießen die Medien kein hohes Vertrauen in der jungen Generation, allerdings stellen sie der eigenen Medienlandschaft noch ein wesentlich besseres Zeugnis aus als die Altersgenossen in den anderen Ländern. Während in Deutschland „nur“ 22% „überhaupt kein Vertrauen“ in die Medien haben, sind es in Griechenland 71%, in Italien 48% und in Frankreich 46%.

Zukunftsängste

Am sorgenvollsten blickt man auf die Jobsuche (37%) und die Umwelt (36%). Zu etwa einem Fünftel zählen Wirtschaftskrisen, bezahlbarer Wohnraum, das Gesundheitssystem und die Rente zu den drei größten Sorgen. 16% sehen Zuwanderung als größtes Problem. Auffällig ist, dass das Thema Zuwanderung von den jungen Deutschen (13%) wesentlich seltener zu den drei drängendsten Sorgen gezählt wird als in vielen Nachbarländern (Tschechien: 30%, Niederlande: 21%, Österreich: 29% und die Schweiz: 26%). In Deutschland sind 80% der Ansicht, dass Zuwanderung von Menschen aus anderen Ländern die kulturelle Vielfalt im eigenen Land bereichert. Gemeinsam mit den Griechen wird hier ein wachsender Nationalismus in Europa von 80% als kritisch gesehen.

Wachsende Ungleichheit

Fast neun von zehn Befragten nehmen eine wachsende Ungleichheit in ihrem jeweiligen Land wahr. Spanien liegt dabei an der Spitze (95%), Deutschland im Mittelfeld (85%). Ebenso viele sind davon überzeugt, dass Geld und Banken die Welt bestimmen. Nicht gefragt wurde hingegen, ob die Jugend davon ausgehe, dass die wachsende Ungleichheit, Korruption und Konzernmacht mit dem Kapitalismus zusammenhängt. Wären die Ergebnisse möglicherweise zu schockierend gewesen?