Antonio Tajani geht von weiteren fünf bis sechs Millionen Menschen aus, die sich auf den Weg von Afrika nach Europa machen könnten. Er fordert eine weitere Abschottung der EU.

Ein einem Exklusiv-Interview mit der ARD äußerte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani seine Sorge um weitere Millionen Menschen, die versuchen könnten, aus Afrika nach Europa zu fliehen. „Wenn wir die Probleme in Afrika südlich der Sahara nicht gemeinsam lösen, dann werden in fünf, sechs Jahren Millionen Migranten kommen“, so Tajani gegenüber der ARD.

Um solch eine Situation zu verhindern, fordert Tajani, die flüchtenden Menschen bereits in Afrika an der Weiterreise zu hindern. „Wir müssen so bald wie möglich ein Abkommen mit Libyen abschließen, so wie es bereits eines mit der Türkei gibt“, fordert der Parlamentspräsident. Man solle zudem bereits in Zentralafrika Lager bauen und die Menschen von dort aus gar nicht erst nach Nordafrika fliehen lassen: „Man kann Lager in Niger bauen, in Nigeria und in der Zentralafrikanischen Republik.“

Der Parlamentspräsident betonte, dass es ihm bei seinen Plänen nicht nur um Abschottung gehe, sondern auch um Investitionen europäischer Länder und Firmen in afrikanische kleine und mittlere Unternehmen. Dadurch sollen Anreize geschaffen werden, Afrika nicht zu verlassen.

Tajani betonte seiner Argumentation folgend, dass nicht die bisherigen, nach Europa geflohenen, Menschen ein Problem seien, sondern vielmehr die kommenden Fluchtbewegungen. „Es geht vielmehr darum, was derzeit in Afrika passiert, mit all den gefährlichen Folgen, die das für die Stabilität des Kontinents hat, und damit auch für künftige Migrationsströme. Dort, in Afrika, müssen wir handeln und zwar schnell“, beendete Tajani das ARD-Exklusivinterview.

Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen kritisieren seit Jahren die immer weitere, auch militärische, Abschottung der EU-Grenzen und das damit verbundene Abdrängen der Flüchtenden auf immer gefährlichere Fluchtrouten. Auch das von Tajani als „Vorbild“ genannte „Flüchtlingsabkommen“ zwischen EU und Türkei wird von Hilfsorganisationen als „unmenschlich“ abgelehnt.