Zukünftige NRW-Landesregierung aus CDU und FDP will das Abitur nach acht Jahren – das sie selbst eingeführt haben – nun halbherzig beenden.

Vor rund zehn Jahren führte eine schwarz-gelbe Landesregierung in NRW das „Turbo-Abitur“ ein. Damit sollten SchülerInnen in Zukunft in nur noch acht Jahren zum Abitur kommen, also insgesamt 12 Schuljahre absolvieren. Nach der Reform hatten Schüler am G8-Gymnasium durchschnittlich 33,1 Stunden Unterricht in der Woche. Bis zum Jahr 2013 waren es beim Abitur nach 13 Jahren noch 29,4 Schulstunden. Damit hatten die Kinder in den Klassen 5 bis 10 im Allgemeinen sechs Stunden Unterricht am Tag, so dass sie gegen 13:20 Uhr die Schule verlassen konnten. Mit dem Turbo-Abi wurde dann die 7. Unterrichtsstunde verboten und durch eine 60-minütige Pause ersetzt, so dass der Unterricht an den meisten Gymnasien in der Klasse 6 an einem Tag und ab Klasse 7 an zwei Tagen in der Woche erst um 15:50 Uhr endet. Somit wurde der Schultag de facto an mehreren Tagen um mehr als 2 Stunden verlängert.

G8 war damals u.a. aufgrund der Forderungen von Unternehmer-Verbänden eingeführt worden, die es als notwendig erachteten, die Jugendlichen schneller am Arbeitsmarkt zur Verfügung zu haben. Auch wurden durch Schwarz-Gelb die Studiengebühren eingeführt, womit der Zugang für ArbeiterInnenkinder zur Hochschulbildung erschwert wurde. In den Jahren 2008- 2011 formierte sich darauf hin gegen diese Bildungspolitik der Landesregierung eine breite Protestbewegung mit dem Titel „Bildungsstreik“. Auf dessen Höhepunkt gingen am 17. Juni 2009 in ganz Deutschland fast 300.000 SchülerInnen und Studierende auf die Straße –  zumindest mit dem großen Erfolg, dass die Studiengebühren in NRW zum Wintersemester 2012 unter Rot-Grün wieder abgeschafft wurden. Und zum zweiten Thema G8 zeigte bereits im Jahr 2012 eine repräsentative EMNID-Umfrage, dass 79 Prozent der Eltern  auch eine Rückkehr des Gymnasiums zu G9 und eine Verringerung der Wochenstundenzahl wünschen.

Seitdem hat sich gegen G8 ein Volksbegehren entwickelt, das in ganz NRW bereits 500.000 Unterschriften gesammelt hat und in fünf Monaten zur Abstimmung kommen sollte. Nun sind die Chefs der CDU (Armin Laschet) und FDP (Christian Lindner) in NRW dem zuvor gekommen und haben selbst eine Abkehr vom G8 angekündigt. Die Rückkehr zum Abitur nach neun Gymnasialjahren soll zum Schuljahr 2019/20 erfolgen. SchülerInnen, die dann an das Gymnasium wechseln, werden also wieder neun Jahre Zeit bis zum Abi haben. Dabei soll es jedoch den Schulen frei gestellt werden, ob sie diesen Weg gehen wollen. Laschet und Lindner gehen davon aus, dass sich bis zu 90 Prozent der Gymnasien für diese Lösung entscheiden werden.