Crew der faschistischen Anti-Flüchtlingsmission wurde festgenommen.

Vor gut eine Woche hatte sich das Forschungsschiff „C-Star“ von Djibuti aus auf den Weg zum Suez-Kanal gemacht, um zum Mittelmeer zu gelangen. Das Ziel war es, humanitäre NGOs, die im Mittelmeerraum agieren, um in Seenot geratenen Menschen zu helfen, zu stören. Laut offizieller Aussage auf der Webseite von „Defend Europe“ sollten die Aktionen der NGOs dokumentiert, verfolgt und der libyschen Küstenwache gemeldet werden. Ferner war von Blockaden, Konfrontationen und Rückführungen die Rede, falls die NGOs in illegale Aktivitäten verwickelt sein sollten. Das Ganze wurde „Identitarian Search and Rescue Mission“ genannt.

In Port Suez wurde das Schiff nun gestoppt und kontrolliert. Der Kapitän konnte keine bzw. nur unzureichende Dokumente der Schiffsroute und der Crew vorlegen. Daraufhin wurde die gesamte Crew festgenommen und das Schiff musste ankern. Ursprünglich war von Seiten der Organisatoren geplant, Mitte Juli im Mittelmeer ihre „Mission“ zu beginnen.

Wer steht dahinter?
Das Projekt „Defend Europe“ ist aus dem europäischen Verbund der neurechten „Identitären Bewegung“ entstanden und somit ein internationales Phänomen. Die Identitäre Bewegung bildete sich 2012 in Frankreich und hat bereits Ableger in Deutschland, Österreich, Italien und anderen Ländern. Ihr Ziel ist die Rehabilitierung der faschistischen Ideologie in Europa. Sie ist gegen jegliche Einwanderung, gegen die Akzeptanz der LGBTI-Community, die Emanzipation der Frau und vertritt den so genannten „Ethnopluralismus“, nach dem ethnische Gruppen geographisch getrennt leben müssten. Wichtiger Teil ihrer Öffentlichkeitsarbeit ist es, durch provokative Aktionen – wie „Defend Europe“ – Aufsehen zu erregen, um so den gesellschaftlichen Diskurs zu prägen.

Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt durch Crowdfunding und Werbung weltweit bekannter faschistischer Führungspersonen und Medien, wie Breitbart News, David Duke (ehemaliger „Grand Wizard“ des Ku Klux Klans) sowie kleineren Organisationen der neuen Rechten in ganz Europa. So konnten fast 140.000 US$ gesammelt werden. Einen Rückschlag erlebten die Faschisten, als ihnen „PayPal“ das Konto sperrte. Dennoch wurde die Summe ausbezahlt und so konnten sie das Forschungsschiff „C-Star“ chartern, das groß genug ist, um 25 Personen als Crew aufzunehmen.

Bewaffnete Faschisten an Bord?
Das Schiff gehört zu dem Unternehmen „Marine Global Services LTD“ mit dem Direktor Sven Tomas Egerson, der bereits eine zweieinhalbjährige Haftstrafe verbüßt hat. Auf Anfrage über die Nutzung der Schiffs durch faschistische Aktivisten sagte Egerson, dass er „sich über die Mission im Klaren sei“ und dass „er kein Problem darin sehe, das Schiff für legale Aufklärungsarbeit zu benutzen“.

Die „C-Star“ selbst wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach für Sicherheitsoperationen verwendet, bei denen Waffen an Bord waren. Es erfüllt auch die hierfür nötigen internationalen Auflagen und wurde 2014 vom „Oxford Research Group´s Project“ als schwimmendes Waffenlager bezeichnet. Einer der Organisatoren des Projekts, Daniel Fiß (Vorsitzender der deutschen Identiären Bewegung), sagte gegenüber Tagesschau.de, dass „Sicherheitspersonal an Bord sein wird, um gegen bewaffnete Schlepper vorzugehen“. Sven Tomas Egerson hat Verbindungen zu dem Sicherheitsunternehmen „Sea Marshals Risk Management“, das dieses Sicherheitspersonal stellen sollte. Ein Schiff dieses Unternehmens, die „Jupiter“, traf sich im Roten Meer mit der C-Star. Ob seitdem bewaffnete Söldner zu der Crew gehörten, ist unklar.

Kein neues Phänomen
Faschistische Bürgerwehren und Privatmilizen sind in Europa kein neues Phänomen. Schon in den frühen 2000er Jahren gründeten sich die „Ungarische Garde“ und die „Ungarische Nationale Front“. Ihr Ziel war es, die ungarischen Grenzen zu „beschützen“. Diese wurden zwar 2009 verboten, doch personell in die neu gegründeten staatlichen „freiwilligen Bürgerwachen“ integriert. Diese besitzen nun auch weitreichende polizeiliche Befugnisse. Der Trend der Verflechtung von Staat, Geheimdienst, Polizei und Bürgerwehren lässt sich in vielen osteuropäischen Staaten verfolgen. In Bulgarien werden Mitglieder der „Organisation zum Schutz der bulgarischen Bürger“ (OSBG) gar als Helden gefeiert, wenn sie als „Migrantenjäger“ geflüchtete Menschen durch die Wälder hetzen. Die finnische Anti-Migranten-Bürgerwehr „Soldiers of Odin“, die sich aus selbsternannten Nationalsozialisten zusammensetzt, hat mittlerweile einen Ableger in Estland. Auch in der Slowakei und Rumänien gibt es ähnliche Organisationen, die von im jeweiligen Parlament vertretenen Parteien (z.B. der „Volkspartei – Unsere Slowakei“) gegründet wurden.