Etwa 7000 Stahlwerker von Thyssen-Krupp haben am Freitag in Bochum gegen den möglichen Abbau von tausenden Arbeitsplätzen demonstriert. Zuvor legten sie über den Vormittag die Produktion des Duisburger Werks still.

Hintergrund der Aktion ist die Ankündigung des Konzerns, seine Stahlsparte mit dem indischen Konkurrenten „Tata Steel“ zusammenzulegen. Hierdurch stehen laut Konzernangaben insgesamt 4000 Arbeitsplätze auf der Kippe.

Die Arbeitsniederlegung und die Demonstration dürften der Auftakt zu weiteren Aktionen der Stahlwerker in den kommenden Monaten sein. Eine entsprechende Ankündigung machte auch der Konzern-Betriebsratsvorsitzende Segerath in seinem Redebeitrag vor den Beschäftigten.

Unmutsbekundungen über eine als dürftig empfundene Informationspolitik des Betriebsrats gab es laut Berichten der Webseite „Rote-Fahne-News“ am Rande der Proteste von Belegschaftsangehörigen: „Von denen hörst Du und siehst Du ja auch nichts“. (Link) Manchen dürfte auch die negative Erfahrung mit der kampflosen Abwicklung des auf demselben Werksgelände gelegenen Schienenherstellers „TSTG“, einer früheren Thyssen-Krupp-Tochter, im Jahr 2013 im Gedächtnis geblieben sein (Link).

Insgesamt bewegten sich die Redebeiträge des DGB-Vorsitzenden Hofmann und von Bundesarbeitsministerin Nahles eher auf der Linie einer Verteidigung des „Standortes Deutschland“ bei den anstehenden Fusionsverhandlungen, anstatt gemeinsame Interessen der weltweit Beschäftigten von Thyssen-Krupp und Tata Steel zu thematisieren. Dies stimmt mit der bisherigen DGB-Linie bei vergleichbaren Arbeitskämpfen überein.

Auf Regierungsseite dürfte der strategische Erhalt einer eigenen nationalen Stahlproduktion im Verlauf der derzeitigen Neuaufstellung des weltweiten Stahlmarktes ein wichtiges Motiv sein, sich zumindest in Worten für die deutschen Beschäftigten einzusetzen.

Eine politische Einigkeit gibt es jedoch auch hierüber nicht: Die schwarz-gelbe Landesregierung von Nordrhein-Westfalen begrüßt laut Wirtschaftsminister Pinkwart die Fusionspläne.