Bundeswehr startet PR-Offensive auf YouTube für Krieg in Mali.

Mit der YouTube-Serie „Die Rektrukten“ landete die Bundeswehr im Jahr 2016 einen Erfolg: Bis zu 25% mehr Menschen hätten die Karriere-Website der Bundeswehr in diesem Zeitraum angeklickt. Die Zahlen zu erfolgreicher Rekrutierung müsste der Bundespressesprecher jedoch „nachreichen“. Nun möchte die Bundeswehr einen Schritt weitergehen. Statt wie in „Die Rekruten“ wird in der Serie „MALI“ nun nicht mehr ein Ausbildungscamp in Deutschland begleitet, sondern es wird 8 Personen in den Bundeswehreinsatz im afrikanischen Mali gefolgt. Allein die Werbung für die Serie kostet den Steuerzahler 4,4 Millionen Euro. Die Produktion weitere 2 Millionen €.

Dazu Ilka Hoffmann vom Fachbereich „Schule“ bei der Gewerkschaft GEW: „Sehr erschreckend ist die verklärte Darstellung als Heldenstory und die fehlende Objektivität. Es wird ein Auslandseinsatz als Abenteuerurlaub dargestellt.“

Gefährliche Mission

Die Bundeswehr ist seit 2013 offiziell in Mali aktiv, seit Anfang 2016 sogar mit insgesamt 1000 Soldaten. Davon sind 650 Soldaten an der „MINUSMA“-Mission beteiligt, die als gefährlichste UN-Entsendung gilt. Die Verluste zwischen April 2013 und März 2016 belaufen sich auf 119 Militär- und Polizeikräfte, wovon 73 durch Angriffe bzw. im Gefecht umkamen. Erst Ende Juli waren in Mali zwei Bundeswehrsoldaten bei einem „Hubschrauber-Absturz“ tödlich verunglückt. Die Ursache ist bis heute nicht bekannt. 350 weitere Soldaten beteiligen sich an militärischer Ausbildung im Rahmen von „EUTM Mali“. Durch einen Fall von Untreue wurde 2013 jedoch öffentlich, dass auch das deutsche „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) bereits 2005, 2008, 2010 und 2011 im Raum Bamako und Gao an Übungen der US-Streitkräfte beteiligt war.

Was sucht die Bundeswehr in Mali?

Der Konflikt zwischen der Zentralregierung im dichter besiedelten Süden Malis und den in Stämmen organisierten Bevölkerungsgruppen im von Wüste geprägten Norden des Landes besteht bereits seit Jahrzehnten. Laut einer Analyse der „Informationsstelle Militarisierung“ (IMI) hatte „der aktuelle Konflikt (…) seinen Ursprung 2011 v.a. in der NATO-Intervention in Libyen, in deren Zuge massenweise und unkontrolliert Waffen in Umlauf kamen und Gaddafi, der die Autonomie der Tuareg und offene Grenzen im Süden unterstützt hatte, getötet wurde.“ Seitdem dominieren im Norden des Landes islamistische Gruppierungen.

In der Sahel-Strategie der EU werden einige Interessen der EU bereits klar benannt: „Eine dringliche und eher aktuelle Priorität besteht darin, europäische Bürger_innen und deren Interessen zu schützen, Angriffe der Al-Quaida im islamischen Maghreb und deren Fähigkeit zu Anschlägen in Europa zu unterbinden, Drogen und sonstigen illegalen Handel mit Europa einzuschränken, rechtmäßige Verbindungen (Pipelines, Straßen) durch den Sahel zu sichern (…) bestehende wirtschaftliche Interessen zu schützen und die Basis für weiteres EU-Investment zu schaffen.“