Der 18-jährige Italiener wird nach fast 5 Monaten aus der U-Haft entlassen. 

Das juristische Tauziehen hat ein Ende: Am Freitag entschied das Hanseatische Oberlandesgericht, dass Fabio V. aus der U-Haft entlassen werden muss. Eigentlich hatte das Amtsgericht Hamburg bereits am 17. November den Haftbefehl gegen Fabio aufgehoben, doch die Staatsanwaltschaft stellte sich quer und legte Beschwerde ein. Nachdem sie damit vor dem Landesgericht gescheitert war, konnte sie sich nun auch vor dem Oberlandesgericht nicht durchsetzen, Fabio muss freigelassen werden. Auflagenbedingt wird dies jedoch erst am kommenden Montag geschehen.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm ’schweren Landfriedensbruch‘ und ‚versuchte gefährliche Körperverletzung‘ vor, weil er sich an einer Demonstration beteiligt haben soll, aus der Flaschen und Steine auf Polizisten geworfen wurden. Eine konkrete Tat wird ihm nicht vorgeworfen.

Der Richter des 1. Strafsenats, Marc Tully, hatte in seiner Begründung für die U-Haft damals von „schädlichen Neigungen“ gesprochen. Er stellte „erhebliche Anlage- und Erziehungsmängel fest, die ohne längere Gesamterziehung des Täters die Gefahr weiterer Straftaten begründen“. Bis dahin hatte sich Fabio noch nicht einmal gegenüber der Polizei geäußert.

Dabei zeigte sich der Richter bei anderen Verfahren in der Vergangenheit bisher nachsichtigter. So hat er Mitte 2014 fünf führende Manager der HSH-Nordbank freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihnen schwere Untreue vorgeworfen, da sie mit einem Hoch-Risko-Geschäft der Bank 52,6 Millionen € Verlust eingebrockt hatten – und damit den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein. Laut Richter Marc Tully hätten die Angeklagten zwar ihre Pflichten verletzt, die Verletzungen seien jedoch „nicht hinreichend gewichtig“. Seine Begründung damals für den Freispruch: „im Zweifel für die Freiheit“.