Ziel war damaliger Außenminster Willy Brandt.

Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND hat jahrelang die Führung der SPD sowie den Außenminister und späteren Bundeskanzler Willy Brandt beeinflusst und ausgehorcht. Zuständig dafür war der Agent Fried Wesemann, ab Mitte 1967 Direktor für Informationspolitik beim SPD-Parteivorstand. Das belegen Dokumente des wichtigsten Geheimdienstlers der deutschen Nachkriegsgeschichte, Reinhardt Gehlen, die der Süddeutschen Zeitung zugespielt wurden.

Seit den 1950er Jahren arbeitete Wesemann sowohl für den BND als auch für den US-Geheimdienst CIA. Er übermittelte Informationen über die internen Diskussionen, Entscheidungen und Personalien der SPD-Führung und konnte diese natürlich auch beeinflussen.

Wichtige Zielperson war der Parteivorsitzende Willy Brandt, der ab 1966 Außenminister der Großen Koalition und ab 1969 Bundeskanzler der Kleinen Koalition mit der FDP war. Der Außenminister wurde  also vom eigenen Auslandsgeheimdienst observiert.

Schlussendlich brachte der BND Willy Brandt sogar zu Fall. So sammelte er Fotos und anderes Material über Brandts Privatleben, um ihn erpressen zu können.

Des weiteren verheimlichte der BND gegenüber Brandt, dass sein Mitarbeiter Günter Guillaume ein Agent des DDR-Geheimdienstes war. Dies war dem BND aber schon seit 20 Jahren bekannt.

1974 wurde Guillaume als DDR-Spitzel enttarnt. Gleichzeitig wurde von dem damaligen BKA-Präsidenten Horst Herold ein Dossier aus dem gesammelten Material über Brandt vorgelegt, um seine Erpressbarkeit zu beweisen. Brandt trat zurück.

Gehlens Dokumente

Die Dokumente, die der Süddeutschen vorliegen, umfassen 100.000 bisher versteckt gehaltene Dokumente aus dem Privatarchiv des Nazis Reinhard Gehlen, der den deutschen Geheimdienstapparat nach dem zweiten Weltkrieg aufbaute.

Reinhard Gehlen hatte unter Hitler den faschistischen Auslandsgeheimdienst gegen die Sowjetunion („Fremde Heere Ost“) angeführt. Nach dem Krieg wurde er im Auftrag der CIA zum Chef des ersten deutschen Geheimdienstes (Benannt nach ihm als „Organisation Gehlen“). Dieser wurde 1956 in „Bundesnachrichtendienst“ umbenannt, dessen Leiter er bis 1968 blieb.

Perspektive Online wird in den nächsten Tagen noch über weitere Enthüllungen aus Gehlens Archiven berichten.