Bundesweite Proteste gegen „Deliveroo“, den Speiselieferservice, der ArbeiterInnen entrechtet – ein Bericht aus Köln

Freitag der 13. gilt gemeinhin als Unglückstag. Dass an diesem Tag nicht mehr Unfälle passieren als gewöhnlich, ist statistisch belegt. Für den Essenslieferanten „Deliveroo“ war es trotzdem ein schwarzer Freitag. Das Bündnis „aktion ./. Arbeitsunrecht“ hatte bundesweit zu Protesten gegen den britischen Essenslieferanten aufgerufen und für Köln ein Fahrradrennen und eine Fahrraddemo organisiert.

Individualisierung & Entrechtung

Das Aktionsbündnis machte durch Flyer und verschiedene Reden auf unzumutbare Arbeitsbedingungen aufmerksam. Deliveroo fällt vor allem dadurch auf, dass es die Fahrerinnen und Fahrer als scheinselbstständige „Freelancer“ durch die Städte fahren lässt. Die Scheinselbstständigkeit verhindert die Bildung von Betriebsräten und die Möglichkeit zu streiken. Gleichzeitig experimentiert Deliveroo mit einer totalen Überwachung der Fahrerinnen und Fahrer mithilfe einer betriebsinternen App, über die das Fahrverhalten und die Arbeitsintensität erfasst werden können. Viele der Angestellten fahren zudem ohne eine Krankenversicherung durch die Straßen Kölns, da der Lohn für eine reguläre Berufshaftpflicht nicht ausreicht.

Fahrraddemo durch die Kölner Innenstadt

Vier Restaurants wurden von „aktion ./. Arbeitsunrecht“ ausgewählt, vor die sich freiwillige Helferinnen und Helfer am Freitagnachmittag eingefunden hatten. Die Restaurants sind Partner des Deliveroo-Lieferdienstes oder fielen in der Vergangenheit durch rassistisches Verhalten gegenüber den Mitarbeitenden oder sehr schlechte Arbeitsbedingungen auf. An diesen Streckenposten wurden Flyer verteilt und Gespräche mit Anwohnerinnen und Anwohnern geführt. Gleichzeitig dienten die Punkte für RadrennfahrerInnen als Checkpoints einer „Alleycat“, einer Schnitzeljagd durch die Stadt, die per Fahrrad absolviert wurde. Die Fahrraddemo selbst bewegte sich durch die Kölner Altstadt und fuhr die jeweiligen Streckenposten ab.

„Shame on you, Deliveroo!“

Die Demo bewegte sich zügig über die Kölner Ringe und zog durch die stadtbekannte Zülpicher Straße, immer begleitet durch den lauten Sprechchor: „Shame on you, Deliveroo!“. Durch Redebeiträge und Flyer wurden Interessierte auf den Lieferdienst aufmerksam gemacht. Viel Aufsehen erregte die an der Spitze der Demo fahrende Rikscha, in der eine als Felix Chrobog (Generaldirektor von Deliveroo) verkleidete Person saß, die sich von ihren Fahrerinnen und Fahrern ziehen ließ.

Lohnsklaverei 4.0

Elmar Wigand vom Aktionsbündnis betonte nochmals die Tragweite der Arbeitsweise des britischen Essenslieferanten: „Deliveroo ist mehr als nur ein blöder Essenskurier. Das Unternehmen ist ein Experimentierfeld aggressiver Finanz-Investoren für die Gesellschaft von morgen. Wir müssen dieser schönen, neuen Dienstleistungshölle einen Riegel vorschieben.“