Ehrenbeamte legten Briefkastenfirmen für Reiche und Unternehmen an


Der deutsche Staat als Dienstleister von Milliadären und Unternehmen – diese Annahme wird mit der neusten Enthüllung aus den „Panama Papers“ bestätigt. Dieses Mal stehen die deutschen Honorarkonsuln – Ehrenbeamte der Bundesrepublik im Ausland – im Fokus. Sie sollen ihre Vertretungen in Steueroasen wie den Bahamas, Monaco, Vanuatu oder den Bermudas systematisch genutzt haben, um Reiche in Sachen Steuervermeidung zu beraten.

So hat nach Recherchen von Bayrischem Rundfunk und Süddeutscher Zeitung etwa der Honorarkonsul auf den Bahamas Briefkastenfirmen angelegt und Kontakte zur Steuerkanzlei Mossack Fonseca gehabt. Diese stand im Zentrum der Enthüllungen um die „Panama Papers“, die eine weltweite Beratungsindustrie zur Steuervermeidung von Großkonzernen wie Nike, Apple oder Facebook, aber auch reichen Einzelpersonen aufdeckte. So verwaltet z.B. auch der Honorarkonsul in Monaco höchstpersönlich das Vermögen der deutschen Milliardärsfamilie Engelhorn mit anonymen Trusts auf den Bermudas. Die Honorarkonsuln im Inselstaat Vanuatu oder Portugal priesen ihre Fähigkeiten sogar im Internet an.

Enthüllungen: Wie Superreiche, Promis und Großkonzerne Steuern hinterziehen – ganz legal

Solche Briefkastenfirmen werden in Steueroasen wie z.B. auf den Bahamas oder Bermudas eröffnet, wo also besonders geringe Steuern zu zahlen sind. Prominente, Reiche, Politiker und vor allem Großkonzerne nutzen solche Firmen, um dorthin ihre Gewinne oder Einkommen umzuleiten und so systematisch die Steuer-Regelungen ihrer eigentlichen Wohn- oder Herkunftsländer zu umgehen.

Nach Berechnungen des Berkeley-Ökonomen Gabriel Zucman haben die Superreichen heute 7,9 Billionen Euro in Steueroasen geparkt. Mit diesen gehorteten 7,9 Billionen Euro könnte man Berechnungen der Süddeutschen zufolge alle derzeit Hunger leidenden Menschen 61 Jahre lang ernähren oder weltweit alle Kinder ohne Schulbildung viereinhalb Jahre nach deutschen Standards unterrichten.

Eine Billion Euro gehen den öffentlichen Kassen in Europa jährlich durch Steuervermeidung verloren, schätzt die EU-Kommission. Deutschland verliert rund 160 Mrd. im Jahr – das ist die Hälfte des gesamten Bundeshaushalts. Dennoch werden Maßnahmen wie zum Beispiel öffentlich zugängliche Register oder öffentliche Finanzberichte der einzelnen Länder zu multinationalen Konzernen nicht durchgesetzt.

Paradise Papers: real existierender Kapitalismus – ein Kommentar von Tim Losowski

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