Türkisches Gericht verlängert die Untersuchungshaft für den deutschen Sozialarbeiter und Journalisten.

Groß war die Hoffnung bei Familie und UnterstützerInnen, dass Adil Demirci nach sieben Monaten Untersuchungshaft bei seinem ersten Verhandlungstag in die Freiheit entlassen wird. Umso größer war dann auch die Enttäuschung am gestrigen Abend, als die Richter des 25. Istanbuler Strafgerichts verkündeten, dass von den 22 Angeklagten nur sechs aus der U-Haft entlassen werden. Adil Demirci ist nicht darunter. Damit kann Demirci seinen heutigen 33. Geburtstag nicht in Freiheit verbringen.

Wie die Richter zu der Entscheidung kamen und warum Demirci nicht zu den Angeklagten gehörte, die freigelassen wurden, kann niemand sagen. Eine Begründung für ihre Entscheidung gaben die türkischen Richter nicht.

Während der Verhandlung hat Demirci sich von allen Anklagepunkten freigesprochen. Er habe keine Verbindungen zu illegalen Organisationen, so Demirci. Zudem bestätigte er die ihm vorgeworfene Teilnahme an den Beerdigungen von KämpferInnen, die im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ getötet wurden. Dies sei nicht verboten und ein humanitäres Recht.

Begleitet wurde die Verhandlung außer von dem deutschen Generalkonsul Michael Reiffenstuel von einer aus Deutschland angereisten Delegation aus Bundestagsabgeordneten, VertreterInnen von Demircis Arbeitgeber, von der Kölner Lokalpolitik und dem Journalisten Günter Wallraff.

Die Entscheidung sei eine „Riesenenttäuschung, nachdem selbst Demircis Anwalt und insgesamt wir alle davon ausgingen, dass er freikommt“, so Wallraff in Istanbul gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Prozess gegen Adil Demirci in der Türkei beginnt