Werden uns die neuen Polizeigesetze mehr Sicherheitsgefühl als Frau verschaffen?! – Ein Kommentar von Emilia Zucker

Während sämtliche Landesregierungen darüber reden, wie das Sicherheitsgefühl der deutschen Bürgerinnen und Bürger gestärkt werden könnte und sie an neuen Polizeigesetzen hantieren, die alle Menschen wesentlich in ihren Grundrechten einschränken würden, frage ich mich als Frau, was bedeutet denn für mich Sicherheit?

…Sicherheitsgefühl, mhhh. Was bedeutet das für mich in dieser Gesellschaft?

Mir würde es als junge Frau wohl ein Gefühl von Sicherheit bescheren, wenn ich sorglos durch die Straßen gehen könnte, ohne dass mich Menschen nach meinem Äußeren beurteilen, mich vorverurteilen. Auch würde Sicherheit für mich bedeuten, wenn die Menschen um mich herum solidarischer miteinander umgehen würden, füreinander da sind und sich unterstützen, auch in brenzligen Situationen.
Sicherheit würde es auch bedeuten, nicht um meinen Job zu bangen, meine Wohnung auch wirklich bezahlen zu können, falls ich vielleicht weniger Stunden arbeiten ginge und deswegen weniger Lohn bekäme. Wenn meine Arbeit wirklich lohnenswert und geschätzt wäre.
Wenn ich keine Sorgen haben müsste, ob ich auch schlagfertig und wortgewandt genug meinem Exfreund endlich klar mache könnte, dass er meine Entscheidungen zu akzeptieren hat, ich nicht von ihm als Frau in Frage gestellt werden möchte und er mich nicht anschreien würde. Patriarchales Verhalten von Männern trübt mein Sicherheitsgefühl ungemein!

Es sind die alltäglichen Situationen einer Arbeiterin und Frau, die mir oft das Gefühl von Unsicherheit geben.

Doch was haben denn eigentlich all meine Gedanken mit diesem Sicherheitsgefühl zu tun, was sich „dort oben“, in den Landesregierungen, scheinheilig zusammen gesponnen wird? – Rein gar nichts!

Denn die eigentlichen Faktoren, die das Sicherheitsgefühl von vielen Frauen und auch mir erhöhen, finden dort gar keine Beachtung! Ich brauche als Frau keine Verschärfung der Polizeigesetze! Die Polizei wird mir nicht helfen, um mich sicherer fühlen zu können. Die Polizei wird die neuen Gesetze nicht dafür nutzen, um physische und psychische Gewalt an Frauen zu minimieren. Oder Täter härter zu bestrafen, Retraumatisierungen während der Vernehmungen zu verhindern oder die Rolle des Mannes zu verändern!
Stattdessen werden diese Gesetze es schaffen, Frauen, die mit ihrer Stärke für die Gleichberechtigung, gegen Benachteiligung und Unterdrückung eintreten und entschlossen für ein neues, gerechteres und besseres System kämpfen, weiterhin in ihrem Sicherheitsgefühl einzuschränken. Nämlich indem sie ihnen unterstellen, Gefährderinnen zu sein, weil sie gegen das kapitalistische System kämpfen! Und diesem Kampf gilt es natürlich „von oben“ etwas entgegen zu setzen. Repressionen nämlich!
Verdachtsunabhängige Personenkontrollen in der Öffentlichkeit von uniformierten autoritären Personen im Auftrag des Staates? – Nein!
Vorverurteilungen auf Grund von Äußerlichkeiten, bei denen ich mich vor einer weiblichen Polizistin teilweise entkleiden soll, während mehrere Männer dahinter mich begaffen, sich sexistische Sprüche nicht verkneifen? – Nein!
Gefährderhaft weil ich Aktionen für die Gleichberechtigung von Frauen und bessere Arbeitsbedingungen organisiere? – Nein!

Ich brauche kein neues Polizeigesetz, was mir weiterhin die unterdrückte Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft verdeutlicht! Ich brauche ein „wahres“ Sicherheitsgefühl!

Gemeinsam müssen wir Frauen uns dieses „wahre“ Sicherheitsgefühl erkämpfen! Und dafür brauchen wir keine neuen Polizeigesetze sondern Solidarität!

Entschlossen müssen sich vor allem die Frauen gegen diese neuen Polizeigesetze wehren!