Ende April verhinderten hunderte Geflüchtete die Abschiebung eines Togolesen, der Kameruner Alassa Mfouapon wurde zum Sprecher der Protestierenden. Nach einer ersten Abschiebung ist er nun wieder in Deutschland angekommen. Grund genug für die BILD-Zeitung, eine ganze Seite über Alassa zu schreiben. Seine Anwälte sprechen von „Lügen“ und „Pogromstimmung“.

Deutschlands auflagenstärkste Zeitung BILD hat in ihrer Freitagsausgabe auf Seite zwei einen ganz-seitigen Artikel über den Flüchtlingsaktivisten Alassa Mfouapon veröffentlicht. Dort wird Alassa als illegaler Migrant dargestellt, der trotz seiner Abschiebung im Juni 2018 von „Linksaktivisten“ nach Deutschland zurück“geschleust“ wurde und aufgrund eines zweiten Asylantrags nun rechtswidrig staatliche Hilfe erhalte. Durch seine Einreise habe er sich strafbar gemacht. Der Polizeigewerkschafter Rainer Wendt fordert in dem Artikelgar, Alassa gehöre sofort „hinter Gitter.“ Grund genug für Perspektive Online, die Geschehnisse aufzuarbeiten – denn wir haben Alassa bereits mehrfach interviewt.

Wer ist Alassa Mfoupon?

In der Nacht auf den 30. April versuchten Polizisten, einen Togolesen aus der Landeserstaufnahme in Ellwangen abzuschieben. Doch sie scheiterten am Widerstand von rund 200 Geflüchteten. Darunter war auch der junge Kameruner Alassa Mfouapon. Später wurde er zum Sprecher der Protestierenden, um deren Sichtweise auf den Widerstand und die Reaktion der Polizei zu verbreitern.

„Die Medien lügen über uns. Unsere Herzen sind voller Liebe“, so Alassa in einem Interview mit Perspektive kurz danach.  „An die deutsche Gesellschaft möchte ich sagen: Wir haben unsere Länder wegen Problemen verlassen – wir sind nicht nach Deutschland gekommen, um Probleme zu machen.“

Drei Tage später stürmten hunderte Polizisten die Landeserstaufnahme in Ellwangen. Die Situation schilderte Alassa so: „Sie legten alle Menschen in Handschellen und durchsuchten jedes Zimmer. Wir haben sie gefragt, was sie hier tun. Doch sie haben nur geantwortet, dass wir keine Fragen stellen sollen. Sie haben viele Menschen an diesem Tag geschlagen, einigen haben sie sogar die Knochen gebrochen.“

Die BILD-Zeitung hingegen schildert Alassas Verhalten als Anzettelung eines „Aufstands“. Von den Polizeiübergriffen kein Wort.

Abschiebung nach Italien.

Im Juni traf es dann auch Alassa. „Die Abschiebung war brutal und gewalttätig. Ich wurde wie ein großer Verbrecher in Handschellen gelegt und von der rassistischen Polizei verwundet, die mich auf dem Boden fixierte.“, so Alassa in einem weiteren PerspektiveInterview im August. Die Lebensbedingungen in Italien waren hart: „Tagsüber lebe ich in der Kirche, nachts schlafe ich am Bahnhof.“

Doch schon früh hatte sich eine Unterstützergruppe, der „Freundeskreis Alassa“ gegründet, die ihm half. Auch anwaltliche Hilfe wurde so organisiert: „Aufgrund der Verschärfung der Lage hat Alassa Mfouapon Italien verlassen und erneut in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Sein Schicksal steht exemplarisch für die menschenverachtende Asylpolitik der EU und der sogenannten Dublin III-Verordnung“, so sein Anwalt Roland Meister. Nach seiner Abschiebung hatte Alassa eine Einreisesperre erhalten – für 6 Monate. „Diese Frist war zum Zeitpunkt seiner Wiedereinreise abgelaufen“, so die Kanzlei Meister&Partner dazu in einer Pressemitteilung. Am 21. Dezember konnte er dementsprechend gemeinsam mit seinem Anwalt beim BAMF erneut einen Asylantrag stellen.

Die Darstellung in der BILD-Zeitung, es handle sich um eine illegale Einreise, ist damit schlicht falsch. Und ebenso die Aussage des Polizeigewerkschafters Rainer Wendt, der meinte, Alassa „führt unseren Rechtsstaat vor.“

Ebenso wurde in der BILD behauptet, der Asylantrag Mfouapons in Deutschland sei abgelehnt worden, „wie 99 Prozent aller Asylanträge aus Kamerun“. Dabei hätten die deutschen Behörden den Asylantrag überhaupt nicht geprüft, sondern sich nach dem Dublin III-Abkommen für unzuständig erklärt und den Asylsuchenden nach Italien abgeschoben.

An eben diesem Tag seiner gesetzlich legalen Einreise fand auch die internationale Weihnachstfeier des Freundeskreises Alassa in Stuttgart statt. Alassa kam als Überraschungsgast hinzu – die Freude war groß.

Er wandte sich mit persönlichen Worten an die 200 Gäste: „Mein Name ist Alassa Mfouapon, und ich danke Euch allen für die große Solidarität und dass ihr den Kampf von uns Geflüchteten in euren Kampf mit aufgenommen habt. Wir brauchen euch und ihr braucht uns. Hoch die Internationale Solidarität!“

Seitdem lebt Alassa erneut in einer Flüchtlingsunterkunft in Karlsruhe und wartet auf die ordentliche Bearbeitung seines Asylantrags.

Eine Seite BILD

Für die BILD-Zeitung ist das der „unfassbare Fall des Alassa M.“. Eine einzige Provokation, vor allem der Umstand, dass Alassa seine Rechte offensiv einfordert und ein politischer Mensch ist: „Auf Facebook gibt sich Alassa kämpferisch, wütet gegen Kapitalismus und Ausbeutung“. Für die BILD-Zeitung Grund genug, ungefragt ein Facebook-Foto von Alassa für ihre Zeitung zu nutzen und seine aktuelle Flüchtlingsunterkunft mit Bild darzustellen.

Seine Anwälte sehen darin eine klare Verletzung der Persönlichkeitsrechte. In einer umfangreichen Presseerklärung werden detailliert mehrere Punkte im Artikel der BILD-Zeitung als Falschmeldung nachgewiesen. Die Kanzlei kündigte Strafanzeige und Unterlassung an. Auch eine politische Erklärung geben die Anwälte ab:

„Wohl wissend, dass die rassistische und fremdenfeindliche Hetze in den sozialen Netzwerken ein unerträgliches Maß erreicht hat und – wie das Beispiel des Amokfahrers von Bottrop zeigt – sich einzelne bereits dazu berufen fühlen, Gewaltaufrufe gegen Flüchtlinge in die Tat umzusetzen, hat BILD nichts Besseres zu tun, als den ultrareaktionären und offen faschistischen Urhebern durch solche reißerisch aufgemachten fake news auch noch Schützenhilfe zu leisten. Als Krönung des Ganzen wird (mit Foto) die Flüchtlingsunterkunft in Karlsruhe gezeigt, in der sich unser Mandant jetzt aufhält. Müssen erst wieder Flüchtlingsheime brennen, bis die verantwortlichen BILD-Redakteure begreifen, welche Folgen das haben kann? Oder ist ihnen das sogar egal?“