Ray Dalio, der Gründer und Chef des weltgrößten Hedgefonds „Bridgewater“, sagt in einem Handelsblatt-Interview zunehmende Spannungen für die Euro-Zone in den nächsten Jahren voraus. Fast jeder Mitgliedsstaat werde am Ende den Euro infrage stellen. Die Lage erinnere ihn an die späten 1930er Jahre.

Geht man nach dem „Morning Briefing“ des Handelsblatt-Autors Hans-Jürgen Jakobs vom vergangenen Donnerstag, könnte es für die Zukunft des Euro düster aussehen. In der Finanzbranche gebe es „ein weit verbreitetes Gefühl“, es könnte mit Europas Währungssystem bald „schwierig werden“. Offiziell halte man sich dazu jedoch zurück.

Ray Dalio, Gründer und Chef des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, hat sich im Interview mit derselben Zeitung nicht zurückgehalten. Seine Firma verwaltet ein Vermögen von rund 160 Milliarden Dollar und hat zwischen 1975 und 2017 einen Gewinn von 50 Milliarden Dollar erzielt. Im vergangenen Jahr machte Bridgewater mit gewinnträchtigen Wetten gegen deutsche und italienische Aktien auf sich aufmerksam.

Für einen Mann aus der Finanzbranche nicht ungewöhnlich, betrachtet Dalio das Wirtschaftsgeschehen als Folge der Politik von Notenbanken und daher in „Schuldenzyklen“.

Im Moment befinde man sich in einer seltenen Phase, da sich ein kurzfristiger und ein langfristiger Zyklus zugleich ihrem Ende näherten. Die Situation erinnere ihn an die späten 1930er Jahre: „Damals lagen die Zinsen in den USA, Europa und Japan bei null Prozent, und alle Notenbanken kauften Vermögenswerte auf, um die Wirtschaft anzuschieben. Auch damals öffnete sich die Wohlstandsschere zusehends, was zu mehr Populismus führte. Und dann, 1937, zog die Fed [amerikanische Notenbank, A.d.R.] die Zügel an und schwächte die Märkte und die Wirtschaft.“

Der nächste wirtschaftliche Abschwung würde riskanter, weil die Notenbanker nicht mehr so effektiv eingreifen könnten wie beim letzten Mal. Auch die stark gestiegene Verschuldung von Staaten und Unternehmen sieht er als Risikofaktoren für die Stabilität der Märkte.

Die Zukunft des Euro

Seine Prognose für den Euro ist vor diesem Hintergrund verheerend. Dalio geht davon aus, dass die Spannungen in der Euro-Zone in den kommenden drei Jahren „deutlich zunehmen werden“: „Fast jeder Mitgliedsstaat wird am Ende den Euro infrage stellen, aus unterschiedlichen Gründen. Deutschland hat einen Haushaltsüberschuss, muss also weniger Schulden machen, während die Staatsverschuldung in Italien und Frankreich steigt.“

Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) mehr Staatsanleihen kaufen wolle, um die Wirtschaft zu stützen, würden die Papiere von immer schlechterer Qualität sein. Dann würde es aber für Deutschland und die nordeuropäischen Staaten immer schwieriger, das mitzutragen. Gleichzeitig steckten viele südeuropäische Staaten in einer wirtschaftlichen Stagnation fest. Dalios Fazit: „Es ist schwer vorstellbar, dass der Euro auseinanderfällt. Aber es ist auch schwer vorstellbar, wie der Zusammenhalt bestehen bleibt.“

Hier Weiteres zum Thema der Ursachen von Wirtschaftszyklen und Wirtschaftskrisen.