In Spanien hat sich vor einem halben Jahr mit der „Frente Obrero“ (Arbeiterfront) eine Allianz aus Organisationen gebildet, die in verschiedensten Bereichen aktiv sind: Fabriken, Stadtteilen, Universitäten und Schulen. Aber auch politische Organisationen wie die „Partido Marxista-Leninista (Reconstrucción Comunista) sind darunter. Am 13. April haben sie ihre erste Konferenz abgehalten. Wir haben mit Maximo Carcia, dem im Amt bestätigten Generalsekretär der „Frente Obrero“, gesprochen.

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Wie ist die Situation der ArbeiterInnenklasse in Spanien?

Die Situation der ArbeiterInnenklasse in Spanien unterscheidet sich nicht sehr stark vom Rest Europas oder der Welt. Aber es stimmt, dass unser Land aufgrund seiner Geschichte und aufgrund dessen, wie sich die wirtschaftlichen Beziehungen entwickelt haben und wie es zum internationalen Imperialismus steht, zu einem Land geworden ist, das sich immer mehr in eine touristische Kolonie verwandelt.

In ein Land, das vom Tourismus abhängig ist, vom Dienstleistungssektor und von Krediten der Großmächte der Welt wie zum Beispiel von den Vereinigten Staaten, Deutschland oder China. Die ArbeiterInnenklasse leidet unter einer wachsenden Ausbeutung, einer sozialen Ungleichheit, die sich auf einen immer größeren Teil der Bevölkerung erstreckt, und dem Fehlen von politischen und sozialen Rechten.

Was ist der Stand der ArbeiterInnenkämpfe?

Die spanische ArbeiterInnenklasse hat ein enormes Potenzial. Seit längerer Zeit wird dieses Potenzial durch Postmodernismus, Reformismus und Revisionismus und durch Teilkämpfe absorbiert.

Es gibt zum einen eine opportunistische Praxis, die den Kampf der ArbeiterInnenklasse und die Einheit aller ProletarierInnen spaltet. Und zum anderen werden die Kämpfe für Ziele geführt, die nicht mit den Interessen der ArbeiterInnenklasse in Spanien einhergehen, sondern mehr mit den Interessen der reformistischen Parteien. Diese wollen nur den Staat von innen reformieren und vom Staat und Kapitalismus leben, wie die anderen Parteien.

„Wir haben verlernt, zu kämpfen und uns zu organisieren. Doch dieses Bewusstsein erwacht nun wieder.“

Heute gibt es ein hohes Potenzial für Klassenbewusstsein. Es gibt sogar viel Klassenbewusstsein, die Sache ist aber, dass es keine revolutionäre ArbeiterInnen-Linke in Spanien gibt.

Es gibt eine traditionelle und folkloristische Linke, die in ihrer Mehrheit den Kontakt mit den Menschen verloren hat. Und es gibt eine postmoderne Linke, die dem folgt, was sich gerade irgendwo entwickelt. Sie folgt der allgemeinen Tendenz, die am meisten Menschen bewegt, unabhängig davon, ob es dabei um ArbeiterInnen geht, die bewusst sind und sich in Richtung einer Revolution bewegen wollen, oder ob es eine Mode ist, die durch die postmodernen amerikanischen Universitäten aufgedrückt wurde. Bis man nicht damit bricht, wird das Potenzial unserer Klasse nicht geweckt werden.

Was genau ist die „Frente Obrero“ und welchen Platz will sie in den Kämpfen der ArbeiterInnen einnehmen?

Die „Frente Obrero“ ist ein Vorschlag, um genau diese revolutionäre ArbeiterInnen-Linke aufzubauen. Wir denken, dass es das nicht gibt, aber notwendig ist. Es ist notwendig, die Interessen der ArbeiterInnenklasse und ein ArbeiterInnenprogramm zu verteidigen – ohne Zugeständnisse zu machen.

Das, was die Menschen suchen, sind nicht irgendwelche Zwischenabkommen. Wir müssen hier die Aufgaben, die in unserem Land auf Grund seiner Geschichte vor uns liegen, lösen. Und das sind viele: die Landreform, die Frage der Selbstbestimmung. Das sind Fragen, die gelöst werden können, aber nur durch die ArbeiterInnenklasse an der Spitze der Massenbewegungen. Unser Projekt will diese Referenz für die Klasse wiederaufbauen, denn diese gibt es nicht.

Aus welchen Organisationen besteht die Front?

Die Front wird aus verschiedenen Organisationen gebildet aus dem Bereich der sozialen Kämpfe, dem Bereich der Jugend oder Parteien und Organisationen, die politischer sind, wie die „Partido Marxista-Lenistia (Reconnstruccion Communista)“ und die „Juventud Marxista-Leninista (Reconstucción Comunista)“.

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Auch sind dabei Organisationen wie die „Frente Republicano“ (Republikanische Front), die „Banco Obrero“ (Lebensmittelbank für ArbeiterInnen) und die „Gewerkschaft der kämpfenden ArbeiterInnen“, welche eine Organisation ist, die man kürzlich aufgebaut hat und die einige Erfolge erringen konnte. Und all diese Organisationen haben gemeinsam, dass man eben nicht nur diese oder jene Frage beantworten will, sondern die ganze Bewegung unter einem politischen Ziel und Programm vereinigen will.

Was sind die Pläne des „Frente Obrero“ für die Zukunft?

Das Hauptziel ist gerade, uns bekannt zu machen unter denen, die uns noch nicht als eine ernsthafte politische Alternative kennen. Wenn man unser Programm anschaut, sieht man, dass wir Leute sind, denen die politische Haltung sehr wichtig ist. Unser Ziel ist es, die Menschen auf verschiedensten Wegen anzusprechen.

Unsere Pläne sind also vor allem, alle Menschen zu integrieren, die sich uns annähern und als eine Alternative sehen. Und darüber hinaus die Reformisten zu demaskieren, die noch immer die Referenz für viele sind. Aber kämpferisch sind diese nicht. Wir sind aber noch eine junge Organisation, die sich noch entwickelt, das sind deshalb gerade erstmal unsere Ziele.

Hast du eine Nachricht an interessierte ArbeiterInnen in Deutschland?

An meine deutschen Geschwister gerichtet würde ich sagen, das wichtigste ist die Solidarität und den proletarischen Internationalismus zu leben. Unsere Probleme hier sind Teil von etwas viel Größerem, nämlich dem Kapitalismus als Produktionsweise. Und unser Vorschlag ist nicht nur, in Richtung einer Volksdemokratie in Spanien voran zu kommen, sondern eine Zukunft für die gesamte ArbeiterInnenklasse, die spanische, die deutsche und die internationale.