Großbritannien will eine europäische Marinemission in der Straße von Hormus am Persischen Golf starten. Der Chef der Münchener Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger fordert die Beteiligung Deutschlands.

Großbritannien plant eine europäische Militärmission am Persischen Golf. Anlass war die Festsetzung eines britischen Tankers durch den Iran in der Straße von Hormus. Die Meerenge hat eine besondere Bedeutung für den Welthandel: Dort wird ein großer Teil des Ölexports in die USA, nach Westeuropa und Asien hindurchgeschifft – 20,7 Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern) am Tag, was etwa einem Drittel des weltweit verschifften Öls entspricht. Die Gespräche der europäischen Staaten über die britischen Pläne laufen noch. Das Ergebnis könnte eine reine Beobachtungsmission sein oder aber militärische Eskorten für Handelsschiffe bedeuten.

Ginge es nach Wolfgang Ischinger, dem Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, soll sich auch Deutschland an der Marinemission beteiligen. Gegenüber der Welt am Sonntag hat Ischinger die Bundesregierung hierzu aufgefordert: „Kaum ein Land hängt von der Freiheit der internationalen Schifffahrt so stark ab wie der Exportweltmeister Deutschland“, so Ischinger. Deshalb dürfe die Bundesrepublik auch nicht von der Reservebank aus zuschauen, wenn jetzt eine maritime EU-Schutzmission am Golf diskutiert werde. Die neue Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte eine deutsche Beteiligung an der Mission bereits im Vorfeld nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Währenddessen debattieren deutsche Militärs und Verteidigungsexperten über Mängel bei der Bundeswehr. Erst am Samstag musste ein geplanter Transport von Soldaten nach Litauen wegen einer Panne der Flugbereitschaft verschoben werden. Der ehemalige militärpolitische Berater der Bundesregierung und Brigadegeneral a.D. Erich Vad äußerte in der vergangenen Woche gegenüber Steingarts Morning Briefing: „Die Bundeswehr ist in ihrer jetzigen Verfassung nicht einsatzbereit.“.