In Anlehnung an die Debatte in Frankreich wurde nun auch in Deutschland darüber diskutiert, ob Krankenkassen homöopathische Mittel weiter zahlen sollen. Gesundheitsminister Spahn steht in dieser Debatte auf Seiten der Homöopathie-Konzerne.

Homöopathie ist kein Bestandteil des Leistungskatalogs gesetzlicher Krankenkassen, sie müssen die Kosten also nicht übernehmen. Viele Kassen bieten die Kostenübernahme trotzdem an. Zum einen auf Grund der immer noch bestehenden Nachfrage an homöopathischen Mitteln, vor allem aber als Mittel im Konkurrenzkampf.

Was ist Homöopathie eigentlich?

Homöopathie ist eine Behandlungsmethode aus der alternativen Medizin und basiert auf der Grundannahme Samuel Hahnemanns – dem Begründer der Homöopathie -, dass ‚Ähnliches durch Ähnliches‘ geheilt werden könne. Dabei wird bei der Herstellung der Medikamente (oft in Form von Globuli) von der Methode der „Potenzierung“ gesprochen. Vereinfacht gesagt bedeutet das, die Grundsubstanzen des Produkts, das der Krankheit ähnelt, wiederholt zu verdünnen. Man nimmt an, dass Homöopathie dadurch weniger giftig sei als chemisch-synthetische Medikamente und bei hoher Potenz nur noch die Information („geistartige Kraft“) an den Körper beinhalte. Es gibt jedoch keinen wissenschaftlichen Nachweis über die Wirksamkeit von Homöopathie. Man geht davon aus, dass die Wirkung nicht über den Placeboeffekt hinaus geht.

Was will Spahn?

Der Gesundheitsminister Jens Spahn möchte Homöopathie auf Rezept auch weiterhin erlauben. Am Dienstagabend verwies er im „Berliner Salon“ des Redaktionsnetzwerks Deutschland darauf, dass deutsche Krankenkassen im Jahr circa 40 Milliarden Euro auszahlen, davon nur 20 Millionen für Homöopathie. Die Debatte um Homöopathie sei emotional aufgeladen und man würde, wenn man die Übernahme der Kosten durch Kassen verbiete, viele Menschen vor den Kopf stoßen. Angesichts der geringen Geldsumme, die für Homöopathie gezahlt werde, sei es das nicht wert.

Andreas Gassen, der Chef der kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), sieht das anders. Er sprach sich ganz klar gegen die Homöopathie aus. Er argumentierte, dass die Mittel für alle Interessierten weiterhin erhältlich sein sollten, „aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft“. Gassen betont, dass es keinen Wirksamkeitsnachweis für Homöopathie gäbe und das Geld dringend in anderen Feldern benötigt werde, bspw. in der ambulanten Versorgung. Auch in anderen Bereichen der Medizin könne das Geld gut gebraucht werden. Zum Beispiel werden Brillen, Hörgeräte oder Zahnersatz nur teilweise bis gar nicht von den Krankenkassen übernommen.

Welche Leistungen wird die Krankenkasse in Zukunft übernehmen?

Von wo kommt die Debatte?

Die Debatte um Homöopathie ist vor allem von Frankreich nach Deutschland übergeschwappt. Dort wurde entschieden, ab 2021 keine homöopathischen Behandlungsmittel mehr zu erstatten. Fast neun Monate lang prüfte die oberste Gesundheitsbehörde (HAS) rund 1.200 Mittel und analysierte mehr als 1.000 Publikationen. Dadurch konnte die Wirkung von Homöopathie nicht bestätigt werden.

Zum Jahreswechsel senkt Frankreich die Erstattung der Kosten von 30% auf 15% ab, 2021 soll es dann gar keine Erstattung mehr geben. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn erklärt, dass diese Übergangsphase die Patienten und die Industrie auf die Umstellung vorbereiten solle.