Bei den größten sozialen Protesten seit Jahren haben im Libanon tausende Menschen gegen die miserable wirtschaftliche Lage im Land demonstriert. Auslöser war die geplante Steuer auf digitale Internet-Anrufe (VoIP).

Am Donnerstag und Freitag gab es riesige Demonstrationen, unter anderem in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Die Ankündigung einer neuen Digitalsteuer hatte das Fass zum Überlaufen gebracht und in den vergangenen Tagen tausende Menschen auf die Straße gehen lassen. Auch die Zurücknahme der geplanten Steuer konnte die Menschen nicht mehr besänftigen.

Das kleine Land mit nur rund 6,8 Millionen EinwohnerInnen steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Die Staatsverschuldung liegt umgerechnet bei rund 86 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einer Verschuldungsquote von rund 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit ist der Libanon eines der am meisten verschuldeten Länder der Welt.

Die Menschen demonstrierten auch gegen die Korruption der Regierung, mangelhafte Infrastruktur und fehlende Arbeitsplätze. Immer wieder forderten die DemonstrantInnen die Regierung und den Präsidenten Michel Aoun zum Rücktritt auf.

Mit brennenden Barrikaden versuchten die DemonstrantInnen, wichtige Straßen zu blockieren. Die Barrikaden wurden am Freitag von libanesischen Soldaten geräumt. Die Menschen gehen aber weiter für ihre Rechte auf die Straße.