Am vergangenen Mittwoch berichteten wir von der unmittelbar bevorstehenden Abschiebung des iranischen Aktivisten Sayed Morteza Hosseini nach Afghanistan. In allerletzter Minute konnte seine Abschiebung nun vorerst doch verhindert werden. 

„Sie werden es nicht glauben. Herr Hosseini steigt gerade aus dem Flugzeug aus.“ Das war die erfreuliche Nachricht, welche die FreundInnen und AktivistInnen am Mittwoch Abend von Hosseinis Anwalt bekommen. Zuvor war er aus dem Abschiebegefängnis abgeholt und zum Flughafen in Leipzig gebracht worden, von wo ein vollbesetztes Flugzeug Menschen nach Afghanistan abgeschoben hat. Hossenini konnte das Flugzeug zwar verlassen, die anderen Menschen wurden aber wie geplant nach Kabul abgeschoben.

„Als Hosseini ausgestiegen war, wurde überprüft, wie viel Geld er dabei hatte, und 50€ wurden als genug befunden, ihn am Abend um 18:00 in Leipzig am Bahnhof abzusetzen: ohne Information darüber, was gerade überhaupt geschehen war und was er jetzt tun solle. Diese Demütigung wollte man sich wohl nicht nehmen lassen. Nun folgt wieder ein schwerer, demütigender Prozess, in dem Hosseini für sein Bleiberecht kämpfen muss.“ So die AktivistInnen in einer aktuellen Pressemitteilung über die Geschehnisse am Mittwoch.

Durch die verhinderte Abschiebung von Hosseini sehen sich die AktivistInnen in ihrer Arbeit bestärkt und ermutigt, weiter gegen Abschiebungen zu kämpfen. „Was am Mittwoch in Leipzig geschah, ist für uns aber nicht nur ein Grund zur Freude und zur Wut, es ist vor allem ein Grund weiterzukämpfen. Wieder einmal haben wir gesehen, was wir erreichen können mit starker Solidarität und politischem Willen.“

Ändert das afghanische Konsulat auf Anfrage deutscher Behörden Dokumente für eine Abschiebung?

Sayed Morteza Hosseini wurde als Sohn afghanischer Eltern in Teheran im Iran geboren, wuchs dort auf und erhielt die iranische Staatsbürgerschaft. Nach seiner Teilnahme an Protesten 2009 inhaftierte ihn der iranische Geheimdienst Etela‘at und erkannte ihm seine Staatsbürgerschaft ab. Als er nach Jahren des illegalen Aufenthalts im Iran wieder festgenommen wurde, wurde ihm nur eine Möglichkeit gelassen, im Iran zu bleiben: Er musste für den Iran im Krieg in Syrien gegen Daesh (IS) kämpfen. Als er die Gewalt und die Grausamkeiten dort nicht mehr ertrug, floh er Anfang 2015 nach Deutschland.