Überteuerte Tickets, Zugverspätungen, Verbindungsausfälle – die Liste an Problemen bei der Bahn ist lang. Trotz der massiven Versäumnisse im Staatsunternehmen sollen dort nun nach Plan einiger Teile des Bahnvorstands die Gehälter steigen – für neue Vorstands-Mitglieder. Das Einstiegsgehalt soll in Zukunft 585.000 € statt 400.000 € betragen – eine Steigerung um bald 50%. 

20 Milliarden Euro sollen laut neuem „Klimapaket“ bei der Bahn in den nächsten Jahren eingesetzt werden, um deren schwerwiegenden Probleme zu lösen. Bei den Überlegungen, wie dieses Geld ausgegeben werden soll, hat der Bahn-Vorstand offenbar auch an sich gedacht. So wurde die Unternehmensberatung Kienbaum damit beauftragt, die Gehaltsstruktur des Vorstands auf Aktualität zu untersuchen.

Ihr Ergebnis: die Einstiegsgehälter im Bahnvorstand seien im Vergleich zu anderen großen Unternehmen zu niedrig. Es bedürfe deshalb einer massiven Gehaltssteigerung, um Manager anlocken zu können.

Vorstand plant Gehaltserhöhung für sich selbst

Laut Medienberichten haben Teile des Vorstands vom Staatskonzern Bahn auf Grundlage dieses Gutachtens eine Planung für massive Gehaltserhöhungen gemacht. So soll das Gehalt für Vorstandsmitglieder in ihrer ersten Amtszeit um fast 50% – von 400.000 Euro im Jahr auf 585.000 Euro steigen. Zum Vergleich: ein Lokführer erhält zwischen 38.000 bis 45.000 Euro jährlich.

In den Zahlen noch nicht enthalten sind die langfristigen variablen Vergütungen. Zudem erhalten alle DB-Topmanager eine üppige Altersvorsorge. Insgesamt könnte der gesamte Vorstand so 1,5 Millionen Euro mehr Geld bekommen. Das entspräche einem Plus von 33 Prozent.

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Spitzengehälter im Millionen-Bereich

Die derzeit geplante Gehaltsteigerung liegt vom Umfang her im Bereich der individuellen Chef- Gehälter  bei der Deutschen Bahn. So hat die Nr. 1 des Konzerns, Richard Lutz, im letzten Jahr insgesamt 1,809 Millionen Euro verdient. Sein Stellvertreter, der frühere Kanzleramtschef, Ronald Pofalla, hat 1,241 Millionen Euro verdient. Der DB-Konzernvorstand, dem sechs Manager angehören, bekam 2018 insgesamt 6,498 Millionen Euro.

Scheuer: „falsches Signal“

Verkehrsminister Scheuer (CSU) erklärte derweil, dass sich erst die Leistungen des Unternehmens verbessern müssten, bevor eine Gehaltserhöhung anstehe. Ansonsten würde ein „falsches Signal“ gesendet werden. Er selbst steht derzeit wegen der Verschwendung von hunderten Millionen Steuergeldern im Zuge des Mautskandals stark unter Druck.