ArbeiterInnen der koreanischen Bahnbetriebe streikten am Sonntag den fünften Tag in Folge. Sie fordern höhere Löhne und mehr Personal. Besonders stark ist der Güterverkehr von dem Streik betroffen.

 Am Mittwoch um 9 Uhr ging es los. Die Beschäftigten der koreanischen Bahnbetriebe „Korea Railroad Corp.“ (KORAIL) traten in den unbefristeten Streik. Zuvor waren nächtliche Verhandlungen mit dem Unternehmen gescheitert.

Die ArbeiterInnen fordern ein neues Schichtsystem und hierfür die Einstellung von 4.000 zusätzlichen Beschäftigten. Außerdem fordern sie eine Lohnerhöhung von 4 Prozent und bessere Arbeitsbedingungen.

KORAIL setzte angesichts des Streiks auch Armeesoldaten als Zugführer ein, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Trotzdem kommt es seit Mittwoch zu erheblichen Einschränkungen. Nach Angaben der Zeitung Korea Herald lief der Betrieb am Sonntag im Personenverkehr auf lediglich 60 – 70 Prozent des üblichen Niveaus, im Güterverkehr sogar nur auf 31 Prozent. Demnach beteiligten sich rund 11.500 ArbeiterInnen der Bahn an dem Streik.

Am Samstag demonstrierten die Beschäftigten der Bahnarbeitergewerkschaft mit KollegInnen aus anderen öffentlichen Sektoren in Südkoreas Hauptstadt Seoul. Gemeinsam forderten sie unter anderem mehr Personal sowie direkte Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Regierung, wie der Gewerkschaftsdachverband KCTU auf seiner Facebook-Seite mitteilte.

#KRWU_ON_STRIKE for the 4th. Rail workers joining other public institution workers in downtown Seoul calling for…

Gepostet von Korean Confederation of Trade Unions am Freitag, 22. November 2019

Südkorea verfügt über eine besonders starke Gewerkschaftsbewegung, die auch immer wieder politische Kämpfe führt. Im Winter 2017 gehörten die in der KCTU organisierten ArbeiterInnen zu den führenden Kräften in der „Candlelight“-Bewegung gegen die Regierung von Präsidentin Park Geun-hye. Diese wurde aufgrund des Drucks der Straße am Ende des Amtes enthoben und sitzt mittlerweile wegen Korruption im Gefängnis. Die Konflikte der Gewerkschaftsbewegung mit dem Staat gingen aber auch unter dem neuen Präsidenten Moon Jae-in weiter. Erst im Juni dieses Jahres ließ die Regierung den KCTU-Vorsitzenden Kim Myeong-hwan verhaften.