Kahlschlag in Deutschlands führender Industrie: Audi will bis 2025 insgesamt 9.500 Stellen in Deutschland abbauen, Daimler weltweit mehr als 10.000. BMW kürzt den eigenen Mitarbeitern künftig die Erfolgsprämie und das Weihnachtsgeld. ZeitarbeiterInnen trifft es als erstes.

Für die ArbeiterInnen in Deutschlands Autofabriken geht eine Woche voller Hiobsbotschaften zu Ende. Gleich drei Autofirmen verkündeten in den vergangenen Tagen ihre Sparpläne – und was sie für die Beschäftigten bedeuten:

  • Audi will bis zum Jahr 2025 9.500 Stellen an deutschen Standorten abbauen. Das sei das Ergebnis einer Vereinbarung zwischen Unternehmen und Betriebsrat, wie es am Dienstag hieß. Im Gegenzug sollen bis zu 2.000 neue Stellen in den Bereichen Elektromobilität und Digitalisierung geschaffen werden. Auf betriebsbedingte Kündigungen wolle das VW-Tochterunternehmen verzichten. Ebenso verlängerte es die Beschäftigungsgarantie für die ArbeiterInnen in den Werken Ingolstadt und Neckarsulm bis 2029. Momentan arbeiten deutschlandweit rund 61.000 Menschen bei Audi.
  • Daimler plant, bis 2022 rund 1,4 Milliarden Euro an Personalkosten einzusparen und dafür weltweit mindestens 10.000 Stellen zu streichen. So sehen es die Eckpunkte einer Vereinbarung zwischen Unternehmen und Betriebsrat vor. Auch Daimler wolle die Stellenstreichungen „so sozialverträglich wie möglich“ gestalten, wie sich Personalvorstand Wilfried Porth ausdrückte. Die genaue Umsetzung des Sparplans werde in den kommenden Wochen ausgearbeitet. Daimler kündigte aber bereits an, auslaufende Verträge von ZeitarbeiterInnen in der Verwaltung nur noch „sehr restriktiv“ zu verlängern und künftig weniger 40-Stunden-Verträge anzubieten. Das Unternehmen wolle die Beschäftigten zudem mit Anreizen dazu bringen, ihre Arbeitszeit selbst zu verringern.
  • BMW wird zwar vorerst auf Stellenstreichungen bei der Stammbelegschaft verzichten, dafür aber ab dem nächsten Jahr die Erfolgsprämie für die eigenen ArbeiterInnen um knapp 20 Prozent kürzen. Die Erfolgsprämie und das Weihnachtsgeld für Beschäftigte mit 40-Stunden-Vertrag werde künftig auf Basis einer 35-Stunden-Woche ausbezahlt. In diesem Jahr hatte BMW noch eine Prämie von 9.175 Euro bezahlt. Teile der Belegschaft müssen trotzdem um ihre Jobs bangen: BMW will die Zahl der ZeitarbeiterInnen sowie der Angestellten in der Verwaltung verringern. Mit dem Sparpaket „Next“ plant BMW, die eigenen Kosten bis 2022 um mehr als zwölf Milliarden Euro zu senken.

Woher kommt die Wirtschaftskrise?

Die deutschen Autofirmen kämpfen zurzeit mit einer zyklischen Wirtschaftskrise und der weltweiten Umstellung der Industrie auf digital vernetzte Produktionstechniken und auf Elektromobilität. Auch bei den Zulieferfirmen schlägt die Krise seit einigen Monaten mit einer Welle von Unternehmenspleiten und Job-Kahlschlägen durch. Zuletzt hatte Continental mit der Ankündigung, drei Werke zu schließen, für Wirbel gesorgt.