Warum man sich in Cottbus als gewalttätiger Rassist sicher fühlen kann, erklärt Paul Gerber in einem Kommentar zum Urteilsspruch im Prozess um die vor drei Jahren mit einem Auto getötete ägyptische Gaststudentin Shaden M.

Ein Jahr Haft auf Bewährung und 200 Sozialstunden in einer lebensrettenden Einrichtung – so lautet das Urteil für Kilian S., der am Karfreitag 2017 die Ägypterin Shaden M. mit seinem Auto überfuhr. Sie starb wenige Tage später an den Folgen. Zeugen berichten, das Auto des Täters habe vor dem Aufprall stark beschleunigt. Auch das Gericht selbst verwies darauf, dass es keinerlei Bremsspuren gegeben habe.

Josephine Japke bescheinigt daraufhin in der Lokalzeitung Lausitzer Rundschau dem Urteil “Fingerspitzengefühl“, schließlich ginge es um die “Erziehung“ und nicht um die “Bestrafung“ des Täters.

Auch die Vorsitzende Richterin in diesem Prozess scheint dieser Einschätzung zu folgen. Dass der Täter aus jugendlichem “Imponiergehabe“ gehandelt haben könnte, reicht als Begründung dafür, das Jugendstrafrecht anzuwenden.

Was ist ein Menschenleben schon wert? – Anja Hentschel

Für das Fehlen von Bremsspuren liefert die Richterin zwei mögliche Erklärungen in ihrem Urteilsspruch: Entweder habe der Täter wegen der zu hohen Geschwindigkeit nicht mehr bremsen können oder wollte Fahrerflucht begehen.

Die dritte Erklärung, dass der Täter absichtlich gehandelt habe und den Tod seines Opfers wenigstens mutwillig in Kauf genommen hat, kann sich hier wohl keiner vorstellen. Dabei stand genau das über Monate zur Debatte. Immerhin hatten Zeugen vor Ort bemerkt, dass die Mitfahrer des Täters sich hämisch und rassistisch über die sterbende Shaden M. äußerten.

Auch die Einschätzung der Kommentatorin, der Täter hätte nicht nur die Leben seines Opfers und ihrer Familie zerstört, sondern auch sein eigenes, scheint äußerst fragwürdig. Ein gebrochener Mensch mit ehrlichen Schuldgefühlen wäre wohl kaum nach dem Unfall noch einmal alkoholisiert am Steuer und ein weiteres Mal wegen zu hoher Geschwindigkeit erwischt worden.

Zuletzt sind auch das Verhalten des Täters und seines Verteidigers mindestens ein Hinweis auf eine rassistische Gesinnung – auch das spielte keine Rolle im Prozess. Die Richterin kritisierte immerhin, dass jegliche Entschuldigung des Täters gegenüber der Familie gefehlt habe.

Der Verteidiger forderte Freispruch und befand, dass selbst das niedrige Urteil überzogen sei. Er erkläre es sich folgendermaßen: „Das kommt auch zustande, weil im Zuschauerraum Menschen sitzen, die in einem anderen Rechtsraum leben.“