Dieser Tage sorgt ein Vorschlag der Vorsitzenden der EU-Kommission Ursula von der Leyen (CDU) für Aufregung. 1- und 2-Cent Münzen sollen abgeschafft werden. Ein weiterer Schritt auf dem Weg, Bargeld komplett abzuschaffen? – Ein Kommentar von Paul Gerber

Funktionieren soll das, indem bei allen Summen, die bezahlt werden, auf die nächste 5-Cent Stufe ab- oder aufgerundet wird. Viele Menschen befürchten schon jetzt, dass dadurch vor allem für sie alles teurer wird. Berechtigterweise: Bei den üblichen Preisen, die fast immer auf 9 Cent enden, werden wir schon alleine immer dann draufzahlen, wenn wir nur nochmal kurz in den Supermarkt laufen, um ein paar Lebensmittel nach zukaufen, die uns fehlen. Gar nicht so selten.

Neben dem Wunsch der Staatsbanken, Geld für die Prägung von 1 Cent-Münzen zu sparen und dem – wenn man den Umfragen trauen kann – Wunsch der meisten BürgerInnen die lästigen 1- und 2-Cent Münzen aus dem Geldbeutel zu verbannen, spielt bei diesem Vorstoß aber vermutlich noch etwas ganz anderes eine Rolle.

Die immer noch vorhandene Vorliebe zum Beispiel der Deutschen dafür, mit Bargeld zu zahlen. Sie könnte den nächsten strategischen Plänen der Herrschenden in Europa, Bargeld abzuschaffen, durchaus im Weg stehen. Was wäre besser geeignet, diese aufzulockern, als eine Kampagne gegen lästiges Münzgeld? Und wer bargeldlos bezahlt, muss sich ja sowieso keine Sorgen machen, durch das Runden um ein oder zwei Cent geprellt zu werden.

Einen ersten Schritt in diese Richtung ist man schon mit der Abschaffung der 500€-Scheine gegangen. Aber warum sollte Bargeld eigentlich abgeschafft werden? Wem würde das nützen und wem nicht?

Gibt es kein Bargeld mehr, so müssen wir sämtliches Einkommen, sämtliche finanziellen Mittel, die wir haben, digital bei irgendeiner Bank oder ähnlichem hinterlegen. Diese wiederum wird es weiter verleihen oder selbst investieren. Unser Erspartes wird dann gezwungenermaßen zu Kapital.

Ein aktuelles negatives Beispiel sind Negativzinsen. Sie bedeuten, dass die Bank sich auf Kosten ihrer Kunden bereichert, selbst wenn diese ein Guthaben bei der Bank haben. Das taucht momentan vor allem in ganz bestimmten Bereichen der Wirtschaft auf. Es ist ja auch logischerweise nicht denkbar, es zum Beispiel auf sämtliche Privatkunden auszuweiten, weil diese natürlich sofort dazu übergehen würden, ihr gesamtes Geld abzuheben.

Es ist recht offensichtlich, dass daran niemand ein Interesse haben kann außer den Banken und Konzernen. Uns dagegen würde eine Gesellschaft blühen, in der jeder einzelne Schritt, den wir tun und dabei Geld ausgeben, aufgezeichnet würde – kurzum: Eine Dystopie, wie sie sich George Orwell nicht besser hätte erträumen können.

Wer ohnehin kaum Geld hat, wie zum Beispiel obdachlose Menschen, wäre theoretisch gezwungen, sich ein Konto mit Kontogebühren anzulegen – würde faktisch aber dann wohl ganz ohne Geld und Menschenwürde auskommen müssen.

Die Abschaffung des Bargelds würde bedeuten:

  • Mehr Kontrolle der Banken über unser Geld.
  • Mehr Kontrolle und Wissen der staatlichen Behörden (Geheimdienste etc.) über unser Leben.
  • Weniger Kontrolle für uns darüber, was mit unseren Daten passiert, wo wir Daten durch eine bargeldlose Bezahlung hinterlassen wollen und wo nicht.

Daher widersprechen diese Pläne unseren Interessen als ArbeiterInnen ganz offensichtlich und wir müssen gegen ihre Umsetzung kämpfen.