Fünf Tage nach dem faschistischen Anschlag im hessischen Hanau werden am heutigen Montag die ersten zwei der insgesamt zehn Todesopfer beigesetzt – Mercedes Kierpacz und Ferhat Unver. Die Trauerfeiern sind öffentlich. Derweil erleben Gastwirte, dass viele Shisha-Bars und Döner-Imbisse leer bleiben.

Mittwoch Nacht vergangene Woche tötete ein faschistischer Attentäter zehn Menschen in der hessischen Stadt Hanau. Alle außer seine Mutter hatten einen Migrationshintergrund. Nun werden die ersten Opfer beigesetzt.

Die Beerdigung von Mercedes Kierpacz findet ab 11 Uhr auf dem Neuen Friedhof in Offenbach statt. „Jeder ist willkommen. Die Tür der Kirche ist offen“, schrieben die Hinterbliebenen. Die 35-jährige war eine junge Romni, die als deutsche Staatsbürgerin mit polnischen Wurzeln Angehörige der nationalen Minderheit war. Sie war Mutter von zwei Kindern. Ihre Freundin Jade M. beschreibt Mercedes Kierpacz gegenüber dem Schweizer Nachrichtenportal 20min.ch als eine Frau mit starker Persönlichkeit: „Sie war auch sehr offen und sympathisch. Man hat sich in ihrer Nähe sofort wohlgefühlt.“

Außerdem wird heute der 22 Jahre alte Ferhat Unver in Hanau bestattet. Die Trauerfeier beginnt um 12 Uhr in der Heinrich-Heine Schule, die Beerdigung ist um 15.30 Uhr auf dem Hauptfriedhof. Ferhat Unver hatte vor kurzem seine Ausbildung zum Heizungs- und Sanitärmechaniker beendet. Der 22-Jährige war Sohn der ehrenamtlichen Unterstützerin der Zeitung Özgür Politika, Serpil Temiz.

Nach rechtem Terror von Hanau: Sagt ihre Namen

Shisha-Bars und Döner-Imbisse bleiben leer

Derweil zeigt der Anschlag seine Wirkung auf die Bevölkerung: Wie die FNP berichtet, warteten Lokale im Frankfurter Stadtteil Alt-Sachsenhausen am Wochenende vergeblich auf den üblichen Gäste-Ansturm – und das lag offenbar nicht am Fasching.

Der Betreiber einer Shisha-Bar sagte: „So leer wie am Freitag und Samstag war es noch nie.“ Der Halter eines libanesischen Imbissladens sprach von einem Umsatzeinbruch vom 70 bis 80 Prozent: „Am Freitagabend waren so gut wie keine Ausländer bei uns“, erzählt Mohammed Jaber von „L’Amir Sandwich“. Die Leute hätten wohl Angst und seien verunsichert.