Ende Dezember schoss ein Kölner Lokalpolitiker auf den 20-jährigen Krys und traf ihn an der Schulter. Zuvor hatte er laut Medienberichten gerufen: „Haut ab ihr Scheiß-Kanacken, ihr Dreckspack“. In der Folge gab es Proteste. Erst jetzt, nach sechs Monaten, wird Anklage gegen den Schützen erhoben. Ihm werden Verstoß gegen das Waffengesetz und schwere Körperverletzung vorgeworfen.

Wie der Kölner Stadtanzeiger berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Köln „Anklage gegen CDU-Politiker Hans-Josef Bähner“ erhoben. Ihm wird vorgeworfen, am 30. Dezember vergangenen Jahres auf den 20-jährigen Krys geschossen zu haben. Mit Glück traf der Schuss nur die Schulter, der junge Mann musste ins Krankenhaus und ist bis heute in ambulanter Behandlung. Doch ein versuchtes Tötungsdelikt wird hier nicht gesehen, schon jetzt lautet die Anklage „nur“ schwere Körperverletzung.

Zudem wurden bei dem Politiker fünf scharfe Waffen gefunden, von denen nur vier auf einer Waffenbesitzkarte registriert gewesen sein sollen. Außerdem sei eine „nicht unerhebliche“ Menge an Schwarzpulver gefunden worden. Dem Politiker wird in der Anklage deshalb auch Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

Rassistische Motive?

In dem Verfahren wird zudem zu prüfen sein, ob es bei dem Schützen ein rechtsgesinntes Motiv gab. So soll er die Jugendlichen, die sich in der Nähe seines Hauses am Rhein aufhielten, rassistisch beleidigt haben: „,Haut ab ihr Scheiß-Kanacken, ihr Dreckspack“, soll er gerufen haben, wie Betroffene berichteten.

CDU-Politiker schoss in Köln-Porz auf Jugendlichen – nun wird ein rassistisches Motiv geprüft

Schon früh gab es Hinweise auf ein rassistisches Motiv des Schützen. Auf seiner Facebook-Seite spricht er von „linksfaschistischen Studenten“, wenn sie einen Protest gegen den rechten Polizeigewerkschafter Rainer Wendt planen. Auch teilte er dort vielfach Fahndungsaufrufe der Polizei gegen MigrantInnen. Einen Artikel über die Kürzung von Nahrungsmittelrationen für Flüchtlinge in Kenia kommentierte er mit den Worten „Auslöser 2015, Auslöser 2018, Bilderberger lassen grüssen.“ Das zeigt, dass der Politiker offenbar an rechte Verschwörungstheorien glaubt, die in Flüchtlingswellen einen gezielten Plan der Bilderberger-Konferenz sehen. Bei der AfD-Frontfrau Alice Weidel hinterlässt er ein „like“.

Protest gegen das Schweigen

Mehrfach wurde der mediale und politische Umgang mit dem Fall kritisiert. So dauerte es Tage, bis der Name des Lokalpolitikers auch öffentlich genannt wurde. Auch wurde der CDU-Mann nicht in Gewahrsam genommen.

In der ersten Sitzung der Köln-Porzer Bezirksvertretung Ende Januar erklärte Hajo Bähner dann seinen Rücktritt und sprach von einer „rechtsstaatlichen Hatz“ auf ihn. Einen Tag zuvor hatte der CDU-Politiker sein Mandat niedergelegt.

In der gleichen Sitzung kam es auch zu einer Protestaktion von rund 15 Personen, die im Saal Transparente mit den Aufschriften „getroffen hat es einen, gemeint sind wir alle“ und „Gerechtigkeit für Krys“ entrollten. Eine kritische Prozessbegleitung ist deshalb zu erwarten.

Rechter CDU-Politiker schoss auf 20-Jährigen – nun protestierten Jugendliche in der Bezirksvertretung Köln-Porz


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