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Brasilien: Gesetz soll illegale Abholzung des Regenwaldes nachträglich legalisieren

Amazonas - Pixabay.de - C00

In Brasilien geht die weitflächige Abholzung des Amazonas-Regenwalds auch während der Corona-Krise weiter – und das teilweise sogar verschärft. Währenddessen hält die Regierung an ihrem Plan fest, das sogenannte „Landraub“-Gesetz zu verabschieden. Es soll die illegale Abholzung des Regenwalds von vor 2018 nachträglich legalisieren.

Während CO2-Emissionen weltweit aufgrund einer niedrigeren Wirtschaftsleistung zurückgehen, sind sie in Brasilien in der Corona-Krise um zehn bis 20 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Studie des Klimaschutz-Netzwerks „Observatório do Clima“ hervor. Demnach würde ein starker Anstieg des Ausstoßes im Amazonas-Gebiet auch den Rückgang in anderen Regionen wett machen.

Wenn nun auch jetzt im Mai und den kommenden Juni und Juli auch nur ähnlich viel abgeholzt wird wie im letzten Jahr, wird Brasilien eine massive Erhöhung der Emissionsausstöße erleben. Es könnte doppelt soviel werden wie noch 2018.

Laut dem nationalen Weltraumforschungsinstitut hat sich der Emissionausstoß allein für das erste Quartal des Jahres schon mehr als verdoppelt. 120 000 km² wurden von Januar bis März abgeholzt. Diese Entwicklung könnte sowohl für den Regenwald als auch die indigenen Völker der Region eine erhebliche Gefahr bedeuten.

Covid-Sterblichkeit für Indigene in Brasilien doppelt so hoch

Bolsonaro streicht Umweltaufsicht

Als eine Ursache gilt die zurückgegangene Kontrolldichte durch Umweltbeamte in der Corona-Krise. Bereits seit seinem Amtsantritt hatte der rechte Präsident Bolsonaro diese verringert und der Umweltbehörde „Ibama“ Personal gestrichen.

Bolsonaro war bereits mehrfach wegen seiner Verbindungen zur Agrar-Lobby in die Kritik geraten.  Nun drohen ihm mehrere britische Supermarkt-Ketten mit dem Boykott brasilianischer Produkte. Grund dafür ist der Versuch der Regierung, das sogenannte „Landraub“-Gesetz, das Bolsonaro bereits im Dezember eingebracht hatte, zu verabschieden.

Dieses soll die illegale Abholzung des Amazonas-Regenwaldes vor 2018 nachträglich legalisieren. Das betrifft eine Fläche von 570.000 km².

Aufgrund des internationalen Drucks wurde es zwar nicht wie geplant am Mittwoch im Kongress besprochen. Dennoch nutzte der Umweltminister die Gelegenheit um vorzuschlagen, die mediale Fokussierung auf die Corona-Krise zu nutzen, um „alle Vorschriften zu ändern“, die Bergbau und Landwirtschaft betreffen.

Nicht nur in Brasilien erhöht sich die massive Rodung der Regenwälder während der Coronakrise. Erst kürzlich war eine dramatische Zunahme der Waldrodung weltweit in den letzten drei Jahren bekannt geworden.


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