Was steckt hinter der Firma „Augusts Intelligence“? Das Netzwerk umfasst neben CDU-Jung-Star Philipp Amthor vor allem Ex-Geheimdienst-Chefs, Ex-Verteidigungsminister sowie eine internationale Beraterfirma. Perspektive Online berichtet nun über einen weiteren Mosaik-Stein: So war „Augustus Intelligence Trust“ über ein Jahr in der Steueroase Liechtenstein registriert. Bei einer Adresse, die auch in den „Panama Papers“ auftaucht. Zweiter Zeichnungsberechtigter war dort Ernst Joseph Walch, der Ex-Außenminister von Liechtenstein. Worum ging es bei dem Trust in der Steueroase?

Laut Spiegel wurde die Firma „Augustus Intelligence“ (AI) im Sommer 2018 im US-Ostküstenstaat Delaware gegründet, einer Steueroase. Seitdem wird es regelmäßig als „US-Unternehmen“ bezeichnet. Doch nach Recherchen, die Perspektive Online zugesandt wurden, gibt es noch einen weiteren Ort, an dem eine Treuhandgesellschaft mit dem Namen „Augustus Intelligence Trust“ registriert wurde – nämlich in Liechtenstein, genauer am 20. September 2018.

Als zeichnungsberechtigt wird hier zum einen Wolfgang Haupt angegeben. Von ihm ist bereits öffentlich bekannt, dass er Chef des Unternehmens „Augustus Intelligence“ ist. Er wird bei dem Trust in Liechtenstein als „Mitglied Verwaltungsrat“ genannt.

Ex-Außenminister als Treuhändler

Brisant ist der zweite Zeichnungsberechtigte. Es ist Ernst Joseph Walch aus Liechtenstein. 1993 war er Präsident des Landtags Liechtenstein. Von 2001 bis 2005 war er vier Jahre lang Außenminister des Fürstentums, das international als „Steueroase“ bekannt ist. Im Jahr 1991 gründete er eine eigene Anwaltskanzlei, die später von 2015 bis Ende 2019 als „Walch & Shurti“ firmierte.

Anfang 2020 scheint Ernst Joseph Walch nun ausgeschieden zu sein. Zumindest erklärt die neue Website, auf die man weitergeleitet wird, jetzt nur noch „Schurti & Partner“ zu heißen.

Auf der Internetseite wird recht offen gesagt, dass man sich auf Mega-Reiche und Wirtschaftskriminalität spezialisiert habe. So schreiben Schurti & Partner: „Wir beraten regelmäßig vermögende Privatpersonen und ihre Familien bei der Strukturierung und dem Schutz ihres Vermögens.“ Zudem verfüge das Strafverteidigungsteam über „langjährige Erfahrung in der Vertretung von Unternehmen und Privatpersonen in Angelegenheiten der Wirtschaftskriminalität vor den liechtensteinischen Gerichten und Behörden.“

Das „Private-Client-Team“ kooperiere eng mit dem der Kanzlei verbundenen Treuhandunternehmen „WalPart Trust reg.“, welches unter anderem die „Übernahme von Verwaltungs-, Stiftungsrats- und Trustee-Mandaten, Buchhaltungsdienstleistungen und Steuerberatung“ anbiete.

Wozu die Treuhandgesellschaft in Lichtenstein?

Wozu benötigte AI-Chef Haupt nun diesen „Trust“ in Liechtenstein, wenn das Unternehmen doch zuvor in den USA gegründet worden war?

Klar ist, dass „Walpart Trust“ gleich mehrfach in den „Panama Papers“ sowie den „Paradise Papers“ auftaucht. Dabei handelt es sich um Leaks von Daten aus Offshore-Firmen. Nach Einschätzung der beteiligten Medien belegen die Unterlagen an zahlreichen Stellen legale Strategien der Steuervermeidung, aber auch Steuer- und Geldwäschedelikte, den Bruch von UN-Sanktionen sowie andere Straftaten. Auch wenn für „Walpart Trust“ so etwas bisher nicht nachgewiesen ist – es wirft ein dunkles Licht auf Walpart Trust ebenso wie auf Augustus Intelligence.

Wie steht Walpart Trust zu seiner Nennung in den Offshore-Leaks und worum ging es bei „Augustus Intelligence Trust“? Eine Anfrage dazu ließ „Walpart Trust“ bisher offen.

Zumindest ehemalige Manager von „Augustus Intelligence“ haben Zweifel an ihrer alten Firma. Sie wurden im Dezember letzten Jahres gefeuert und klagen nun gegen das Unternehmen. Sie werfen der Firma Geschäftspraktiken vor, die von „Betrug, Illegalität und Korruption“ durchdrungen seien. Zudem „hatte die Firma das behauptete Funding nicht, hatte auch kein Produkt und weder substanzielle Kunden noch Einnahmen“, wie der Spiegel aus der Klageschrift zitiert.

Trust in Auflösung

Handelt es sich also bei Augustus Intelligence nur um einen großen Bluff? Die bekannten Namen und Strategen, die bereits engagiert sind, sprechen eine andere Sprache. Es sind Ex-Geheimdienstchefs, Ex-Verteidigungsminister, internationale Beratungsexperten – und nun offenbar auch ein Ex-Außenminister aus Liechtenstein.

Seit dem 10.02.2020 befindet sich zumindest der „Augustus Intelligence Trust“  in Auflösung. Die Form der Teuhandgesellschatf in Liechtenstein scheint nicht mehr gebraucht zu werden. Die zentrale Frage bleibt: Wozu wurde das Unternehmen in Liechtenstein genutzt?


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