Vor der Coronakrise führten viele PolitikerInnen es noch im Munde: „Wir werden die Arbeitslosigkeit besiegen!“. Doch seit der Corona-Pandemie und der Wirtschaftskrise ist davon wenig übrig geblieben. Wie sieht es wirklich bei den wirtschaftlich schwach entwickelten Bundesländern im Osten aus?

Geschichtlicher Rückblick

Nach dem Zusammenbruch bzw. der Demontage der ostdeutschen Wirtschaft 1989-91 durch die westliche Übernahme war die Region am Boden. Massenarbeitslosigkeit und die damit einhergehenden Betriebsschließungen waren ein großes Problem. Noch heute spüren die Menschen im Osten, dass sie der westdeutschen Wirtschaft hinterher hinken. Das belegt nicht nur das Gefühl, sondern auch ein Blick in den Geldbeutel. Noch immer wird im Osten das Lohnniveau des Westens nicht erreicht.

Viele ostdeutsche Regionen versuchten die letzten dreißig Jahre, mit verschiedenen Marketingstrategien Konzerne und Großunternehmen für sich zu begeistern. Letzten Endes kam der Erfolg nur nach Leipzig und Ostberlin. Diese beiden Städte haben sich allerdings nicht an die ‚richtige Werbefirma‘ gewandt, sondern haben schlicht einen perfekten infrastrukturellen Standort, sodass es für große Unternehmen & Konzerne keine Frage der Überredungskunst war – ein schlichter Blick in die Statistiken hat genügt. Das jetzige Problem des restlichen Ostens ist, dass sich hier vor allem nur Kleingewerbe angesiedelt hat.

Viele Kleinunternehmen im Osten

Viele dieser Kleinunternehmen haben in den letzten Jahrzehnten nur das erwirtschaftet, was sie zum Überleben erwirtschaften mussten. Somit sind größere Rücklagen für einen längeren Zeitraum eine Seltenheit. Das macht sich vor allem in Zeiten der Krise bemerkbar. Noch ist allerdings vollkommen offen, wie viele dieser Unternehmen die Krise nicht überstehen werden.

Der Freistaat Sachsen beispielsweise hätte wahrscheinlich zu Beginn der Corona-Pandemie gerne eine „Ausgangssperre“ verhängt – und viele Menschen in dem Bundesland hatten tatsächlich das Gefühl, einer Ausgangssperre zu unterliegen. Tatsächlich aber muss hier ins Detail gegangen werden: die Verlautbarung des Freistaates war lediglich, dass es eine „Verschärfung der Ausgangssituation“ gäbe. Das war de facto keine Ausgangssperre.

Eine konsequente Ausgangssperre wäre in diesem Fall auch fatal für die Wirtschaft gewesen, denn sämtliche sächsischen Baustellen wären beispielsweise ab diesem Moment nicht weiter betrieben worden. Dies wiederum hätte einen weiteren Einbruch im schon angeschlagenen Gewerbe bedeutet.

Dieser Schachzug der sächsischen Regierung war jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: Die Arbeitslosenzahlen steigen weiter an und auch die Nachfrage nach KurzarbeiterInnengeld erhöht sich weiter. Nach derzeitigem Stand ist der Arbeitsmarkt nach drei Monaten Corona-Krise um drei Jahre zurückgeworfen. Das wird dem Ökonomen Joachim Ragnitz zufolge aber noch nicht das Ende sein. Bis zu 10% Verlust des Bruttoinlandprodukts stünden der ostdeutschen Wirtschaft bevor. Noch scheint das nach derzeitigem Kenntnisstand nicht so einschneidend zu sein wie 1989 – aber diesmal befindet sich der zahlungskräftige Westen selbst in der Krise.


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