Seit mehr als 30 Jahren kämpfen die ArbeiterInnen in Ostdeutschland für die Angleichung ihrer Löhne an diejenigen im Westen. Bis heute werden sie dabei stark benachteiligt. Nun streiken Beschäftigte in der Lebensmittelindustrie erneut für die Angleichung.

Auch 30 Jahre nach der Eingliederung Ostdeutschland in die Bundesrepublik Deutschland verdienen ArbeiterInnen dort im Schnitt 17 Prozent weniger als im Westen. Dabei verteilen sich auch innerhalb von Ostdeutschland die Gehälter sehr unterschiedlich. So liegt der Ost/West-Unterschied in Berlin und Brandenburg bei rund 13,9 Prozent, in Sachsen bei rund 18,2 Prozent.

Selbst die Beschäftigten des gleichen Unternehmens bekommen an verschiedenen Standorten in Ost und West zum Teil bis heute sehr unterschiedliche Löhne ausbezahlt. So verdienen die MitarbeiterInnen bei der Bautz‘ner Senf & Feinkost GmbH mit Sitz im sächsischen Bautzen deutlich weniger als am bayerischen Standort in Unterhaching. Laut MDR gibt es hier Gehaltsunterschiede von bis zu 1.000€ brutto, etwa bei den LaborarbeiterInnen in der Qualitätskontrolle.

Zayde Torun, Gewerkschaftssekretärin der Nahrungsmittelgewerkschaft NGG, bestätigt, dass es im selben Konzern massive Unterschiede zwischen Ost und West gibt. So liegt der Stundenlohn für einen Facharbeiter im Westen bei 18,44 € und im Osten bei nur 12,14 €. Bis zu „35 Prozent Lohnunterschied, obwohl es ein Konzern ist. Nur weil man in Westdeutschland arbeitet. Das kann es nicht sein“, so Torun.

Aus diesem Grund streiken nun die ostdeutschen MitarbeiterInnen bei Bautz‘ner. Denn sie wollen endlich die selben Löhne wie ihre KollegInnen im Westen bekommen.

Auch bei anderen Lebensmittelkonzernen wie Frosta, Knorr und Sonnländer soll es laut NGG ähnliche Lohnspreizungen geben. Für sie alle verlangt die NGG nun höhere Löhne und eine Angleichung an Westniveau. Bislang sind die Konzerne nicht bereit, auf die Forderungen einzugehen.

Der Bautz‘ner Mutterkonzern Develey schlägt für die ostdeutschen Mitarbeiter eine gestaffelte Lohnerhöhung von drei Prozent in diesem und zwei Prozent im nächsten Jahr vor, für den Westen jedoch eine direkte Lohnerhöhung von 5,2 Prozent. Damit würde das Lohngefälle nicht kleiner, sondern sogar noch weiter ausgebaut werden.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.