Zwei Jahre nach dem historischen Gipfeltreffen zwischen Nordkoreas Staatsführer Kim Jong-Un und US-Präsident Trump stehen die Zeichen auf der koreanischen Halbinsel wieder auf Eskalation. Anlässlich des Abwurfs kritischer Flugblätter durch südkoreanische Aktivisten kündigte Nordkoreas Chefpropagandistin Kim Yo Jong Aktionen gegen das Nachbarland an. Dort werden die Drohungen ernst genommen.

Ende Mai hatten südkoreanische Aktivisten im Grenzgebiet Ballons mit Flugblättern in Richtung Nordkorea geschickt. Sie richteten sich gegen das dortige Regime. Nordkorea warf der Regierung in Seoul daraufhin vor, nichts gegen derartige Aktionen zu unternehmen. Nun verschärfte das Land den Ton noch einmal deutlich: Kim Yo Yong, Politbüromitglied und Vizedirektorin des Ministeriums für Agitation und Propaganda der nordkoreanischen Arbeiterpartei, drohte Südkorea mit Vergeltungsschritten: „Meines Erachtens ist es höchste Zeit, mit den südkoreanischen Behörden endgültig Schluss zu machen“, erklärte sie der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zufolge. Die nächsten Schritte würden „bald“ eingeleitet und die „nächste Aktion gegen den Feind“ werde dem Generalstab der Armee anvertraut.

Nummer 2 im nordkoreanischen Staat?

Kims Ansagen werden international sehr genau beobachtet, da sie die Schwester des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong-Un und damit Angehörige der Kim-Dynastie ist, die seit 1948 an der Staats- und Parteispitze des Landes steht. Als im April Gerüchte über einen schlechten Gesundheitszustand Kim Jong-Uns die Runde machten, wurde Kim Yo Yong als mögliche Nachfolgerin gehandelt. Kurz zuvor war sie erneut ins Politbüro der Arbeiterpartei aufgenommen worden und tritt seither verstärkt in der Öffentlichkeit auf.

Sprengung zum Jubiläum?

Südkoreas Regierung hat die Drohungen aus dem Norden ernst genommen und für Sonntag eine Krisensitzung einberufen. BeobachterInnen rechnen damit, dass Nordkorea in Kürze militärische Aktionen durchführen könnte. Das Handelsblatt zitiert hierzu Chad O’Carroll, den Chef der US-Denkfabrik „Korea Risk Group“: Das Regime in Pjöngjang wolle eine „innerkoreanische Krise herbeiführen“, möglicherweise, um Südkorea zu Wirtschaftshilfen zu zwingen. Am Montag sei der 20. Jahrestag des ersten innerkoreanischen Gipfeltreffens. Eine mögliche Aktion sei die Sprengung des Verbindungsbüros zwischen beiden koreanischen Staaten. Mittelfristig seien zudem neue Tests von Atom- und Langstreckenwaffen zu erwarten, auf die das Land seit Ende 2017 verzichtet hatte.

Säbelrasseln der USA

Erst Ende Mai war es zu einer Verschärfung der Spannungen zwischen Nordkorea und den USA gekommen, nachdem die USA die Möglichkeit ins Spiel gebracht hatten, erstmals seit 1992 wieder Atomtests durchzuführen. Nordkorea hat daraufhin die strategischen Streitkräfte des Landes in „höchste Alarmbereitschaft“ versetzt.

Atomwaffen: Staaten drohen mit nuklearer Abschreckung

Die Verhandlungen zwischen Nordkorea und den USA über eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea sind seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim Jong-Un im Februar 2019 in Vietnam nicht mehr vorangekommen. Seit dem vergangenen Jahr häufen sich Berichte über eine Hungersnot in Nordkorea wegen des Zusammenbruchs der Landwirtschaft aufgrund der Sanktionen.

Erst vor wenigen Tagen erklärte der nordkoreanische Außenminister Ri Son Gwon, im Verhältnis beider Staaten gebe es eine „rasch fortschreitende Verschlechterung“. Die US-Regierung sei „wild entschlossen“, die Spannungen zwischen beiden Ländern zu verschärfen.


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