Nachdem vor zwei Wochen in Connewitz und zwei weiteren Städten Hausdurchsuchungen gegen die linke Szene initiiert wurden, kam es zu spontanem Protest im Viertel. Hierbei verlor ein Beamter sein Jagdmesser. Zudem steckt die Leipziger Polizei tief in einem Korruptionsskandal.

In Leipzig, Berlin und Weimar wurden am 11. Juni 2020 mehrere Wohnungen der politischen Widerstandsbewegung durchsucht. Über das martialische Auftreten der Polizei bei diesen Durchsuchungen und die Empörungen in den sozialen Netzwerken hat perspektive online bereits berichtet. Eine Aufklärung, warum der Vize-Chef der nationalistischen PEGIDA-Bewegung, Siegfried Daebritz, schon im Vorfeld von den Durchsuchungen wusste, bleibt auch weiterhin aus.

Doch die Aufregung bei der Leipziger Polizei legt sich nicht: der freie Journalist Aiko Kempen, fand nach der Spontandemonstration am 11. Juni ein aufgeklapptes Jagdmesser, das der Polizei zuzuordnen ist.

Auf Nachfrage bei der Polizei erhielt er die Antwort, dass kein Kollege sein Jagdmesser vermisse und ein solches Messer „grundsätzlich nicht zur Standardausrüstung“ bei der Polizei gehöre. Fragwürdig bleibt an dieser Stelle dennoch, warum das verbotene Jagdmesser im aufgeklappten Zustand auf der Straße lag. Der Polizei sei „persönliche Zusatzausrüstung weder pauschal verboten noch pauschal erlaubt“, so die Pressestelle gegenüber Aiko Kempen.

Unterdessen versucht die sächsische und Leipziger Polizei, sich geschickt durch einen Korruptionsskandal zu fädeln. In den letzten Jahren hat die Leipziger Polizei beispielsweise über 1.000 beschlagnahmte Fahrräder unter der Hand an die eigenen KollegInnen verkauft.
Jeweils 50-100 Euro sollten die BeamtInnen für die Fahrräder bezahlen – natürlich sind das nicht etwa ältere DDR-Räder wie Diamant oder Mifa, sondern die neusten Modelle.

Seit 2019 weiß nun das sächsische Landeskriminalamt davon und versuchte über die Zeit, alles intern aufzuklären – ohne allerdings die Öffentlichkeit zu informieren. Sogar Interviews mit lokalen Zeitungen wurden unterdessen eine Stunde vor Beginn abgesagt. Die Order kam aus Dresden.

Aktuell laufen immerhin laut Informationen des sächsischen Innenministeriums Ermittlungen gegen einen „größeren Personenkreis“ bei der Polizei Leipzig.


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