Einige Zeitungen haben schon getitelt, dass die deutsche Wirtschaft die Krise gut überstanden habe. Eine Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) kommt zu anderen Ergebnissen: Unternehmen, die durch Kredite am Leben gehalten wurden, können ihre Schulden nicht mehr tilgen, und so rechnen die ForscherInnen mit der kommenden „Bankenkrise“.

Die Analyse des IWH stellt nicht mehr wirklich in Frage, ob die Bankenkrise kommt, sondern wann und in welchem Ausmaß. Mit Bankenkrise ist gemeint, dass kreditfinanzierte Unternehmen ihre Schulden bei den Banken nicht mehr tilgen können. Das sogenannte Kernkapital (also das Geld, das einer Bank fest zur Verfügung steht) könnte im Verhältnis zu den laufenden Krediten so klein werden, dass dann eine EU-Verordnung greift, die nach der Wirtschaftskrise 2009 vereinbart wurde.

Diese schreibt vor, dass Banken ihren offenen Forderungen mindestens 6 Prozent Kernkapital gegenüberstellen müssen. Man spricht von einer „Kernkapitalquote“ von sechs Prozent. Sobald diese Quote unter sechs fällt, können Geldhäuser keine neuen Kredite vergeben. Um zu berechnen, ob eine Bank gefährdet ist, haben die ForscherInnen betrachtet, woher Banken ihr Kapital beziehen und wie anfällig sie dadurch sind.

Bestenfalls 6%, schlimmstenfalls 28% der Banken gefährdet

Der IWH-Präsident Reint Gropp hält auf Grundlage der IWH-Analyse die Bankenkrise für sehr wahrscheinlich, selbst wenn die deutsche Wirtschaft sich zügig erholen sollte. In diesem günstigen Fall seien sechs Prozent der Geldhäuser gefährdet. Sollten die Auswirkungen der Krise nicht so schnell überwunden werden können, seien bis zu 26 Prozent der Geldhäuser bedroht.

Dazu gehörten vor allem kleinere Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Diese verleihen ihre Kredite häufig auch an kleinere Unternehmen, denen in der aktuellen Wirtschaftskrise nicht die selben Steuergeschenke entgegengebracht wurden wie Großkonzernen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Kredite nicht mehr bedienen können, ist damit noch größer.

„Die Gefahr ist ziemlich hoch, dass eine Bankenkrise eine zweite Rezession auslöst.“, schätzt Gropp die Auswirkungen ein. Mehr dazu, was eine Wirtschaftskrise für ArbeiterInnen bedeuten kann:

Wirtschaftskrise und Gegenwehr


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