Nach dem Großbrand im griechischen Geflüchteten-Lager „Moria“ findet eine breite Debatte um die Unterbringung der nun mindestens 12.000 obdachlos gewordenen Menschen statt. Am Mittwoch protestierten tausende Menschen deutschlandweit für eine Aufnahme. Zehn Großstädte haben sich nun erneut dazu bereit erklärt. Doch Bundesregierung und EU planen mit weitaus weniger.

Am Dienstagabend begann der Großbrand im Geflüchtetenlager „Moria„, das sich im Landesinneren der griechischen Insel Lesbos befindet. Mehr als 12.000 Menschen wurden durch das Feuer obdachlos und haben kein Zugang zu Nahrung. Auch drei Tage nach dem Brand bleibt die Lage katastrophal.

Nach Angaben von „Ärzte ohne Grenzen“ und „Mission Lifeline“ war es kaum möglich, den nun obdachlosen Flüchtlingen zu helfen. BewohnerInnen der Insel blockierten sogar die Zufahrt zum Flüchtlingslager. Die Polizei greife nicht ein und verhindere Hilfe.

Laut der Berliner Krankenschwester Christine Schmitz, die für die Hilfsorganisation „Medical Volunteers International“ auf Lesbos ist, sperren Polizei und Militär auch die beiden Zufahrtsstraßen von der Hauptstadt Mytilini nach Moria ab.

Es sei angekündigt worden, dass die Armee die Menschen mit drei Mahlzeiten pro Tag und Wasser versorge. „Aber das setzt voraus, dass das Militär weiß, wo die Geflüchteten sind“, sagte die 56-Jährige dem „Evangelischen Pressedienst“.

Tausende protestieren

Schon am Abend des Brandes kam es deutschlandweit in über fünfzig Städten zu spontanen Protesten, Zehntausende waren auf den Straßen. Auch am Donnerstag kam es wieder zu Aktionen, für heute sind weitere Kundgebungen geplant, unter anderem in Mainz, Gießen und Ulm.

Liza Pflaum von der aufrufenden Initiative Seebrücke erklärte dazu: “Wir fordern, dass Deutschland sofort alle Menschen aus Moria aufnimmt. 180 Kommunen stehen in Deutschland sofort für eine Aufnahme bereit, mehrere Bundesländer haben ihre Bereitschaft zur Aufnahme bekundet: Wir haben also ausreichend Platz und freie Kapazitäten.”

Endlich steht die Hölle in Flammen

Deutsche Städte erklären erneut Bereitschaft

Tatsächlich wurde die Bereitschaft, Geflüchtete aufzunehmen, von mehreren größeren deutschen Städten in einem gemeinsamen Brief bekräftigt. Einem Bericht des RedaktionsNetzwerks Deutschland (NRD) zufolge wurde der Brief von den Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern von Bielefeld, Düsseldorf, Freiburg, Gießen, Göttingen, Hannover, Köln, Krefeld, Oldenburg und Potsdam unterzeichnet.

Die Stadtoberhäupter bekräftigten darin ihre Bereitschaft, „einen humanitären Beitrag zu einer menschenwürdigen Unterbringung der Schutzsuchenden in Europa“ zu leisten: „Wir sind bereit, Menschen aus Moria aufzunehmen, um die humanitäre Katastrophe zu entschärfen.“

EU-Initiative für 400 minderjährige Flüchtlinge

Doch bisher wird diese Lösung insbesondere vom Innenministerium blockiert. Ziel sei eine „europäische Lösung“. Wie klein diese bisher ausfällt, konnte man an einem Vorstoß von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Präsidenten Macron sehen:

Merkel kündigte an, dass Deutschland ebenso wie Frankreich minderjährige Flüchtlinge aus Moria aufnehmen werde. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Verhandlungskreisen erfuhr, geht es um die Verteilung von rund 400 Kindern und Jugendlichen innerhalb der Europäischen Union. In dem Flüchtlingslager – dem größten der EU – lebten vor den Bränden jedoch rund 12.700 Menschen.


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