Der Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie hat auf Twitter einen Image-Film veröffentlicht, der den Gegensatz zwischen Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen verschleiern soll. Zusätzlich ist er in seiner durchschaubaren Vereinfachung an Peinlichkeit kaum zu überbieten. – Ein Kommentar von Felix Thal

In strömendem Regen ziehen mehrere Männer und Frauen in einem Schlammloch in Zeitlupe an einem Tau. Der Dreck überzieht ihre Anzüge, Schutzhelme und Warnwesten. Sie sind sichtlich angestrengt.

So stellt sich die Chefetage der Metallindustrie die Tarifrunde 2021 vor: „Arbeitgeber und Beschäftigte packen zusammen an, um Deutschlands Schlüsselindustrie zu erhalten und Arbeitsplätze zu sichern. Nur gemeinsam schaffen wir es, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.“

Das Imagevideo von „Gesamtmetall“ ist an Peinlichkeit nicht zu übertreffen und offenbart sich als das, was es eigentlich ist: billigste Propaganda, um Einigkeit und Zusammenhalt in der Krise vorzugaukeln.

Die Produktion soll den Zuschauer oder die Zuschauerin glauben machen, dass während der Corona-Krise – und darüber hinaus – alle Teilnehmenden eines Betriebes im selben Boot sitzen würden. Doch dem ist nicht so. Die einen arbeiten eben im Maschinenraum und scheffeln Kohlen, und die anderen machen es sich in der ersten Klasse gemütlich.

Arbeiter:innen zahlen für die Krise

Das Trugbild wird dennoch seit der Corona- und Wirtschaftskrise von vielen Unternehmen und der Bundesregierung weiter gezeichnet. Diese vorgebliche „Sozialpartnerschaft“ verschleiert, wer eigentlich die Auswirkungen der Krise schon jetzt ausbaden muss: Die Arbeiterinnen und Arbeiter. Sie sind von Leiharbeit, Kurzarbeit und Jobverlust bedroht.

Die „Sozialpartnerschaft“ bleibt eine beschönigende Floskel, die verdecken soll, dass die Unternehmer:innen und die Arbeiter:innen völlig entgegengesetzte Interessen verfolgen. Denn: in Deutschland werden Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert. Oder anders gesagt: Die Chefs kriegen Geld, die Arbeiter:innen Corona.

Das Imagevideo der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie treibt es zum Ende auf die Spitze, nachdem der sprichwörtliche Karren aus dem Dreck gezogen wurde: Völlig schlamm-verschmiert fragt der schauspielernde Chef, wer denn eigentlich wer sei, um zum Schluss zukommen: „Egal. Wir sind ein Team.“ Klar: Im simplen Umkehrschluss sind demnach – unausgesprochen – Arbeiterinnen und Arbeiter, die für ihre Interessen einstehen, kontraproduktiv für den Sozialfrieden.

Dem kann man nun entgegensetzen, dass das Video zeigt, dass es genau jetzt dies braucht: Selbstbewusste Arbeiter:innen, die wissen, wer ihnen in einer kämpferischen Tarifrunde 2021 gegenübersteht. Damit die Krise eben nicht auf unserem Rücken ausgetragen wird.


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